Irgendwer fliegt gleich

21:03 Uhr – Halbzeit. Noch torlos zwischen England und Kolumbien. Es darf also ruhig etwas Schwung in dieses Achtelfinale kommen. Als kleine Motivationshilfe gönne ich mir das kolumbianische Bier, das mir mein Freund Bastian löblicherweise von seiner letzten Reise mitgebracht hat. Die Kolumbianer gehen mir mit ihrer Art auf dem Platz zwar gerade auf den Keks und meine kolumbianischen Bekannten könnten auch mal wieder auf den Boden der Tatsachen kommen, aber vielleicht gibt das Happy Coca ja auch den Engländern Schwung. Wir werden sehen.

Wie gesagt, das Bier heißt Happy Coca, stammt aus der Hause Nevada Cerveceria und scheint ein helles, obergäriges Bier zu sein. Es wird wohl das erste kolumbianische Bier sein, das ich trinke. Das Etikett ist auf braunes, raues Recycling-Papier gedruckt. Etwas helles Grün, ein bisschen schwarzer Text und eine dunkelgrüne Pflanze. Das könnte eine Coca-Pflanze sein, tippe ich zumindest. Keine Ahnung, wie die in Wirklichkeit aussieht. Im Internet ist allerdings zu lesen, dass das Bier wohl mit gerösteten Coca-Blättern gebraut wurde. Falls nachher wer im Schlafanzug vor eurem Fenster vorbeifliegt: Das bin dann wohl ich.

Das Cerveza ist goldgelb und sehr klar, Schaum entwickelt sich zwar leider kaum, dennoch ist es ganz hübsch anzusehen. Ein intensiver, süßlicher Geruch macht sich sofort rund um das Glas breit. Es fällt mir ziemlich schwer, da etwas herauszuriechen, obwohl es wirklich stark duftet. Elfmeter für England, noch vor dem ersten Schluck. Leicht seifig Fruchtigkeit vielleicht, nicht unangenehm. Vielleicht ist das der Geschmack von Coca.

Da die Kolumbianer ewig diskutieren, nehm ich halt doch mal den ersten Schluck noch vor dem Elfer. Und ich bin überrascht. Es ist mild und leicht, überhaupt nicht süß, malzig oder fruchtig, nur eine ganz sanfte Herbe kann ich ausmachen. Interessant ist, dass da eine Spur von Holz oder Papier zu schmecken ist. Tor für England. Der Nachgeschmack ist dann doch dezent bitter, vielleicht ein bisschen wie zerkaute Blätter. Wenn das wirklich der Geschmack der Coca-Blätter ist, dann ist das sehr interessant.

Ich würde mal sagen: Das ist der Geschmack des Dschungels. Bei weit über 30 Grad und tropischer Feuchtigkeit stelle ich mir das Bier mit seiner gefühlten Trockenheit, seiner leichten Herbe und seinen 5 Prozent Alkohol sehr gut vor. Auch witzig: Der älteste Engländer im Team heißt Young. Ebenfalls erheiternd: Im Stadion trinken irgendwelche bleichen Engländer blasses Fifa-Bier aus durchsichtigen Plastikbechern. Und ich sitze hier mit dem kolumbianischen Kokaintröpfchen und warte auf die erste rote Karte. Auf geht’s!

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