Ohne Filter, mit Vollbart

22:34 Uhr – Bierspezialitäten meiner Haus- und Hof-Brauerei Härle aus Leutkirch (die mit dem bekömmlichen Bier) habe ich bisher noch nie bewertet oder hier beschrieben. Probiert habe ich sie natürlich schon alle und schon oft. Irgendwie hatte ich immer ein bisschen Angst, dass vielleicht ein vernichtendes Urteil dabei rauskommt. Und das darf natürlich nicht sein.

Nun, lange Jahre habe ich fast ausschließlich Härle Pils getrunken. Das Härle Gold hat mir noch nie so richtig gut geschmeckt und Weizen trink ich sowieso quasi nie. Mit dem Landzüngle kam dann eine echte Leckerei für den gemütlichen und ausgedehnten Wirtshausaufenthalt, die mir den ein oder anderen Abend im Lamm versüßt hat. Daneben gibt es schon seit jeher einige Spezialitätenbiere wie das Clemens ohne Filter, das Fidelio oder das Clemens Spezial. Die sind alle gut trinkbar und schon alleine optisch was für besondere Tage. An einem ganz normalen Abend würde ich aber wohl eher nicht zu diesen Sorten greifen, schon allein wegen des Preis-Leistungs-Verhältnises. Seit vielleicht zwei Jahren ist das Lager Hell auf dem Markt – und es hat sich zu meinem Favoriten aus dem Hause Härle gemausert. Ab und an darf es natürlich auch ein kühles Pils oder ein frisch gezapftes Landzüngle sein. Aber oft greife ich eben auch zum Lager Hell. Auch weil die Gläser so hübsch sind.

In meinem Kühlschrank liegt allerdings ein Clemens ohne Filter, seit mein guter Freund Markus mich vor einigen Wochen besucht hat. Bei diesen Fläschchen ist schon die Optik eine Wucht, wohnen sie doch normalerweise in einer wunderschönen Holzkiste. Die Flasche ist eine 0,33-Liter Bügelflasche mit tiefem Bauch und langem, leicht bauchigem Hals. Auch sehr fesch. Den Hals ziert ein Etikett, auf dem der junge Clemens Härle mit prächtigem Vollbart zu sehen ist. Den Bauch schmückt ein historisches Bild des Brauereigebäudes, umrahmt von Hopfen und Gerste sowie dem geschwungenen Schriftzug „Clemens“.

Nun aber zum Inhalt. Der ist im Glas dunkelbernstein bis braun mit leichtem Rotschimmer. Der feine Schaum hält sich erfreulich lange. Der Geruch ist insgesamt nicht allzu stark, leicht malzig vielleicht. Auch der Geschmack ist etwas malzig, aber ohne übertrieben unangenehm zu sein. Ich bin mir sicher, dass irgendwer Karamellgeschmack rein interpretieren wird, aber für mich ist da nur eine leichte Süße. Und vielleicht sogar eine leichte Rauchnote. Besonders dominant erscheint mir kein Geschmack. Schlecht ist es nicht, einen besonderen Geschmack hat es auch, abseits von altbekannten Bieren. Auf jeden Fall ist es relativ schwer (5,4 Prozent) und nicht besonders spritzig, sodass man das Glas dann auch wieder für eine Weile hinstellt. Ideal also, wenn man über eine längere Zeit an einem Bier trinken und sich immer wieder über den Geschmack erfreuen will. Es sieht im Glas ja auch wirklich hübsch aus.

Das mache ich jetzt auch: Ich schließe diesen Text hier ab, lehne mich zurück und trinke gemütlich dieses Glas voller Bier für besondere Tage leer.

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