Retrobier von der Insel

21:33 Uhr – Irgendwann im Sommer habe ich mich auf dem Weg von Langenargen nach Ravensburg irgendwie etwas verfranzt. Das wäre ja nicht weiter schlimm gewesen, ein paar Kilometer Umweg über Landstraßen durchs Hopfenanbaugebiet bei Sonnenschein – das kann man sogar freiwillig machen. Kritisch war allerdings die Füllhöhe meines Tanks. Darum habe ich irgendwann beschlossen, nun doch lieber der Beschilderung zu dem Ort zu folgen, der zwar in der falschen Richtung liegt, dafür aber sicher eine Tankstelle hat: Lindau am Bodensee. Mit den letzten Tropfen Benzin habe ich dann tatsächlich noch eine Zapfsäule kurz nach dem westlichen Ortseingang gefunden. Erleichtert wollte ich mir im dazugehörigen Tankstellenladen was gönnen und habe mir deshalb  eine Flasche Lindauer Hell gegriffen.

Auf der 0,5 Liter Euroflasche klebt ein wirklich schönes Etikett: Leuchtend grün umrahmt ist dort eine historische Bleistiftzeichnung der Lindauer Hafeneinfahrt mit Leuchtturm und Löwe zu sehen. Darüber steht in großen Buchstaben der Name des Bieres, ganz oben findet sich das Logo der Inselbrauerei Lindau, irgendein komischer Baum mit wenig Blattwerk. Was mir gut gefällt sind die bayerischen Rauten, die im Hintergrund nach unten hin immer schwächer werden. Zur Brauerei muss man sagen, dass es die gar nicht mehr gibt. Die Inselbrauerei Lindau hat nämlich 1972 den Braubetrieb eingestellt. Das Lindauer Hell wird nun zwar wieder unter diesem Label vertrieben, gebraut wird es aber im Allgäu, von der Aktienbrauerei Simmerberg. Da wohl beide Brauereien schon seit 1932 zusammengearbeitet haben, lasse ich das mal gerade noch durchgehen.

Das Lindauer Hell ist matt goldgelb, klar und wirklich ein bisschen dünn. Die lebendige Kohlensäure sorgt dafür, dass der wenige Schaum die Oberfläche dann doch recht lange bedeckt hält. Das Retrobier hat einen ganz klassischen, leicht süßlichen Biergeruch, aber man muss die Nase schon weit ins Glas halten, um diesen überhaupt zu erfassen. Geschmacklich überrascht es ziemlich wenig, weder nach oben noch nach unten. Das Lindauer Hell scheint mir ein durchschnittliches Helles zu sein, dass man gut trinken kann. Mit seinen 4,8 Prozent Alkohol ist es leicht und süffig, es ist eine runde Sache, die nicht aneckt und geschmacklich in keine Richtung großartig ausschlägt. Wenn man es in die Hände kriegt, kann man seinen Bierdurst damit auf jeden Fall stillen. Extra aus dem Bayerischen importieren muss man es aber nicht.

Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.