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Aecht gar nicht so rauchig

22:18 Uhr – Bereits im Sommer wird in Bamberg von der Brauerei Heller-Bräu der Schlenkerla Urbock eingebraut. Mit Rauchmalz, das versteht sich von selbst. Er reift dann über Monate in alten Kupferkesseln. Und wird dadurch noch rauchiger, als das Schlenkerla Märzen? Wir werden sehen!

Auch bei diesem Schlenkerla ist das gelbe Etikett als historisches Schriftstück mit ausgefransten Rändern gestaltet, auch das rote, aufgedruckte Wachssiegel darf nicht fehlen.

Ebenholzfarben, mit einem kastanienfarbenen Schimmer, glänzt das dunkle Bier klar unter einer hellbraunen, cremigen Schaumschicht hervor. Ein intensiver Duft nach erkaltetem Lagerfeuer und geräuchertem, saftigem und magerem Schinken dringt in die Nase. Erstaunlich ist, dass das Bier trotz aller rauchiger Schwere und Süße trotzdem irgendwie frisch riecht.

Der erste Schluck überrascht mich, denn ich hätte flüssigen Aschenbecher erwartet. Nein, hier machen feine Röstaromen von mildem Kaffee und dunkler Schokolade ihre Aufwartung, mit der klaren Süße von Vollmilchschokolade. Diese Süße gefällt mir richtig gut, sie erinnern auch an Weintrauben und sehr süße, gelbe Äpfel. Traube, Nuss, Schokolade, Milchkaffee – ich bin wirklich total überrascht von diesem Schlenkerla. Positiv überrascht!

Klar, da ist natürlich auch ein Raucharoma. Richtig gut geräucherter, rötlicher Schinken. Leichter Geschmack von hellem Holz, vielleicht sogar Süßholz. Aber eine Rauchigkeit, die absolut gut in die vorher beschriebene Süße eingebettet ist und dem Bier somit noch einen ganz besonderen Dreh gibt.

Im Abgang nehmen die Röstaromen eine leichte Röstherbe an, die Nüsse werden etwas intensiver. Der Rauch kitzelt beim Schlucken kurz am Gaumen. Im Nachtrunk zeigt er dann (endlich!) sein wahres Gesicht: Zwischen Resten von Vollmilchschokolade mit getrockneten Trauben wird es rauchig, das erkaltete Lagerfeuer ist zurück.

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