Bier? Birne? Zitrone?

17:36 Uhr – Man kann es sich ja momentan kaum mehr vorstellen, aber irgendwann im letzten Herbst war ich mal beruflich unterwegs – und zwar in Stuttgart. Weil ich noch ein bisschen Zeit hatte, hab ich mir in der dortigen Bierothek ein paar lokale Biere gekauft, unter anderem vom Bierwerk Gerstenfux aus Nürtingen.

Das Bier, das mit einem hellgrünen Etikett beklebt ist, auf dem das kreative Logo der Brauerei groß zu sehen ist, heißt Bergmotte Lager Spezial. Es handelt sich um ein untergäriges Lagerbier aus Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz (hier bimmeln die Reinheitsgebotsalarmglocken), Hopfen, Hefe und Bio-Bergamottenschalen (die Reinheitsgebotsglocken hören entsetzt auf zu bimmeln). Ich weiß, dass ich Bergamotten schon mal gegoogelt habe, aber die Details habe ich wieder vergessen. Heute also ein neuer Anlauf.

Wikipedia sagt:

Als Bergamotte bezeichnet man eine Gruppe aus der Gattung der Zitruspflanzen, die als Hybride aus Süßer Limette und Bitterorange oder aus Zitronatzitrone und Bitterorange entstanden sein könnten. Die Frucht wird nicht als Obst verwendet, sondern hauptsächlich wegen der enthaltenen ätherischen Öle angebaut, die in der Bergamotteschale enthalten sind. Das auch als grünes Gold bezeichnete Bergamottöl spielt vor allem in der Parfümindustrie eine Rolle, wird aber auch zum Aromatisieren von Tees (Earl Grey) verwendet. Neben den Zitrusfrüchten gibt es auch noch eine viel ältere gleichnamige Gruppe von Birnen, nach denen die Zitrusfrüchte wegen ihrer ähnlichen Form benannt wurden. Bergamotte bezeichnet eine Gruppe von rundlichen, meist sehr alten Birnensorten. Die äußere Erscheinungsform dieser Früchte erinnert oftmals mehr an Äpfel als an Birnen.

Jetzt fühle ich mich zwar sehr viel schlauer, weiß aber noch nicht mal, ob in diesem Bier eine Zitrusfrucht oder eine Birne verarbeitet wurde. Die Tatsache, dass Bergamottenschalen verwendet wurden, spricht vielleicht eher für die Zitrusvariante. Schenken wir es doch einfach mal ein und hoffen auf eine geschmackliche Erklärung.

Im Glas sehe ich ein goldgelbes, recht klares Bier, das durch seine extrem lebhafte, viele Kohlensäure auffällt. Die Bläschen sind so wild, dass sich gar keine richtige Kante zwischen dem Bier und der grobporigen, hellweißen Schaumschicht bilden kann, weil der Schaum dauerhaft von unten nachwächst.

Der Geruch ist säuerlich bis bitter, aber auch mit einer fruchtigen Süße. Stand jetzt kann ich mich noch nicht zwischen Zitrus und Birne entscheiden, tendiere aber fast eher zur Birne. Vor allem, weil der angenehme Duft mich immer mehr an süßen Most erinnert.

Der Antrunk ist leicht und äußerst spritzig, sofort kommt auch eine dezente Säure mit. Die führt mich wieder sofort zu Apfel oder Birne, aber natürlich sind auch Zitrusfürchte säuerlich. Abgelöst wird die Säure für einen Moment von einer blumigen Hopfennote und einem leichten, honigsüßen Malzkörper. Im Abgang ist dann ganz klar süß-bittere Zitrusschale zu finden, bevor sich eine sehr trockene, flache Süße in den Mund legt, die schon wieder von sehr reifen, gelben Birnen kommen könnte.

Auch wenn ich aus der Frucht nicht schlau werde: Ein sehr erfrischendes, spritziges Sommerbier mit 4,9 Prozent Alkohol. Und falls wer nen Tipp hat, wo ich Bergamotten jeglicher Bauart herbekomme, dann werde ich mich da mal durchprobieren.

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