Der Maya-Krieger

20:20 Uher – Ich bin etwas unschlüssig, was ich da im mexikanischen Supermarkt gekauft habe. Ein echtes, handwerkliches Craft-Beer – oder doch nur einen Tourifänger? Die Brauerei nennt sich Mundo Maya Brewing Company (touristisch?), mit Sitz in Playa de Carmen (touristisch!). Auf dem grünen Etikett ist eine goldene Münze oder vielleicht so eine Scheibe, wie der berühmte Azteken-Kalender zu sehen. Darauf ist ein fast nackter Ureinwohner zu sehen, der mit einem Riemen um seine Stirn einen Korb voller Getreide (Gerste?) schleppt. Besonders viel Bock hat er scheinbar nicht darauf. Irgendwie sieht das Etikett nach schnell, schnell aus. Und nach einem Anfänger in Sachen Photoshop. Ich weiß, von was ich spreche. Gebraut ist das Bier mit Wasser, Hopfen, Hefe und Gersten- oder Weizenmalz. Oder? Naja, ich gehe mal davon aus, dass beides drin ist. Achso, nicht zu vergessen: Es handelt sich um ein India Pale Ale namens El Guerrero – der Krieger.

Dunkel bernsteinfarben liegt das IPA im Glas, bedeckt von einem fast schon cremigen Schaum und von einem herrlichen, rostroten Glanz. Ein leichter Geruch von Wald, Tannennadeln und feuchtem Boden kommt aus dem Glas, der auf ein ziemlich raues und herbes Bier aus dem Staate Quintana Roo schließen lässt. Aber auch süßliche Düfte aus dem Wald, wie sehr reife Beeren oder frischer Honig, sind da zu erwähnen.

Der waldige, feuchte Eindruck bestätigt sich auch im Geschmack. Würziges, leicht modriges Wasser eines Waldsees, umgeben von austreibenden Tannenbäumen, die mit dornigen Sträuchern um das Wasser aus dem feuchten Waldboden konkurrieren. Alles in einem fast schon groben Dunkelgrün und dem alten Graubraun der Baumrinde. Aus der Ferne dringt eine Spur des Rauches eines Lagerfeuers in die Lichtung, auf die durch die Baumkronen schwaches Sonnenlicht fällt. Die wenigen Bienen finden nur wenig stark duftende Blüten, um ihren zähflüssigen Honig zu produzieren. Was dagegen wie Honig fließt, ist das Harz aus der Bruchstelle eine abgebrochenen Astes eines alten Baumes.

Um im Bilde zu bleiben: Den unberührten Wald der Maya kann ich in diesem IPA auf jeden Fall finden. Ob es der karibische bei Playa der Carmen ist, oder ob wir doch etwas weiter ins Land nach Tabasco, Campeche oder Chiapas müssen, lasse ich mal offen. Obwohl ich ja sonst eher der fruchtige Typ bin, muss ich sagen: Ein ganz tolles Bier! Feliz Cumpleaños!

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