Ein eingedeutschter Klassiker

19:12 Uhr – Zu meiner kleinen Schande muss ich gestehen, dass ich mir zum heutigen Tag des deutschen Bieres kein deutsches Bier bereitgestellt habe. Aber es gibt der Deutschen Lieblingsbier: Ein Pils. Pils ist in Deutschland mit knapp 37 Prozent Marktanteil mit großem Abstand das meistgekaufte Bier. Zum Vergleich: Weizen und Lager (Export und Helles inklusive) liegen bei jeweils rund zehn Prozent. Allerdings gibt es wie – wie gesagt – heute kein deutsches Pils. Sondern quasi das Ur-Pils, ein Pilsner Urquell.

Das Pilsner Urquell wird seit 1842 in Pilsen gebraut und ist – tada – der Namensgeber für den Bierstil. Traditionell wird das tschechische Pils mit Saazer Hopfen aus Anbaugebieten in Böhmen gebraut. Dass es von einem deutschen Braumeister erfunden wurde, habe ich glaub schon mal erwähnt. Danke Josef Groll. Pilsner Urquell ist heute übrigens in japanischer Hand, es gehört zu Braukonzern Asahi.

Nicht ganz so stilecht kommt mein heutiges Pilsner Urquell aus der Halbliterdose. Mit goldenem Deckel und Rand leben, einem sehr dunklen Waldgrün und dem bekannten Brauereilogo als dominierendes Element und spärlicher goldener Beschriftung ist diese Dose allerdings schon wieder ganz schön schick. Mag ich.

Die Sonne bricht sich herrlich in diesem wunderschön goldgelben Getränk, die üppige Schaumkrone krönt das klare Bier wahrlich. Da muss ich mich auch mal als Einschenker loben, mit diesem Pils könnte ich es in die Werbung in der Sportschau schaffen. Die feinkörnige Kohlensäure ist etwas rar, ist eben doch kein frisch gezapftes. Das Einschenken hat aber auch maximal sieben Sekunden gedauert.

Der Geruch des Pilsner Urquells ist recht intensiv, klar nach Bier mit einer weichen Herbe. Weich ist auch der erste Schluck im Mund, der die Zunge mit einer leichten Karamellnote und einer zurückhaltenden Malzsüße umspielt. Die Würze und die Vollmundigkeit des Bieres sind genau so stark vorhanden, dass man es noch als leicht, erfrischend und süffig durchgehen lassen kann. Diesen Punkt zu treffen finde ich stark, alles darunter verkommt schnell zu wässrig und charakterarm. Am Gaumen ist der Hopfen deutlich zu spüren, aber er kitzelt mit seiner Herbe nur leicht. Im Abgang verstärkt sich diese Herbe nochmal etwas, nach dem Schlucken legt sich ein bitterer Film auf die Zunge. Das wirklich Auffällige an diesem Pils ist, ich wiederhole mich, die außergewöhnliche Weichheit. Insgesamt ist es auf jeden Fall ein sehr gutes Pils, aber eben auch ein Pils-Klassiker: Der entscheidende Ausschlag noch oben, um es zu einem überragenden Pils zu machen, fehlt. Ich denke, damit können sie in Pilsen leben.

Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.