Gemeinschaftsgebräuli

19:07 Uhr – Okay Leute, jetzt kommt was richtig geiles. In dreifacher Hinsicht:

  1. Es handelt sich um ein Grünhopfenbier, also ein Bier, das mit erntefrischem, nassen Hopfen gebraut wurde. Ich hab zwar noch kein richtig feines Grünhopfenbier getrunken, aber frischer Hopfen ist so was tolles, das irgendwann ja auch mal ein gutes Bier dabei rauskommen muss.
  2. Der Hopfen wurde nicht einfach nur geerntet. Die Brauerei hat im Frühjahr an Freunde der Brauerei (Kunden?) kleine Hopfenpflänzchen verkauft. Die neuen Besitzer haben den angebaut, den Sommer über gepflegt, zu einem bestimmten Stichtag geerntet und die Dolden wieder der Brauerei gebracht. Ein Gemeinschaftswerk von ganz vielen Hopfengärtnern – und dazu noch eine geniale Art der Kundenbindung.
  3. Das Bier ist mit Kveik-Hefe vergoren. Das ist so das neue Wundermittel der Biervergärung, eine Hefe aus Norwegen, die bei extrem hohen Temperaturen extrem schnell vergärt und dabei angeblich noch einen super Geschmack ins Bier zaubert. Ich habe noch nie ein Kveik-Bier probiert, zumindest nicht bewusst. Mal schauen, ob mir was auffällt.

Um welches Bier geht es denn, werdet ihr euch fingernägelkauend vor Aufregung fragen. Wir sind wieder am Genfersee bei der Brasserie Docteur Gab’s und haben das Cueillette 2019 vor uns stehen. Darin ist also vermutlich die Hopfenernte von letztem Jahr (für dieses Jahr wär’s auch noch ein bisschen früh). Das Etikett ist flächig sehr hellgrün, im Hintergrund ist mit dicken Strichen eine weiße Hopfendolde gemalt. Nicht fehlen darf natürlich das bereits bekannte Brauereilogo von Dr. Gab’s. Der Bierstil ist wohl ein Saison, zumindest ist das die Information, die ich mit meinen hervorragenden Französischkenntnissen dem Text auf dem Etikett entnehme.

Das Gebräu aus der Schweiz ist goldgelb und durch sichtbare Partikel getrübt. Überspannt ist es von einer schneeweißen, feinporigen Schaumschicht, in der sich einzelne größere Blasen zeigen. Ein schwacher, säuerlich-fruchtiger Geruch steigt aus dem Glas heraus. Am ehesten bin ich hier bei Äpfeln oder Trauben, aber wirklich sehr dezent.

Der Antrunk ist recht vollmundig und angenehm fruchtig süß. Gelber, süß-saurer Apfel tut sich hervor. Vielleicht das Aroma der angebauten Hopfensorte? Vielleicht der Geschmack der Kveik-Hefe? Ich weiß es nicht. Definitiv aber lecker. Ein super süffiges, kohlensäurereiches, leichtes Bier, dass trotz nur 4 Prozent Alkohol gar keinen Hang ins Dünne oder Wässrige hat. Sehr gut und einfach trinkbar, ein besonderes Bier, das dennoch fast jedem schmecken dürfte – auch eine Kunst. Erst im Abgang zeigt sich der Hopfen zum ersten Mal mit dem, für das er berühmt ist: Herbe. Eine ganz leichte Hopfenbittere spült sich in den Hals, aber wirklich auf einem sehr, sehr milden Niveau. Im Nachgang schmeckt das Cueillette leicht hefig und hinterlässt einen trockenen Mund. Zeit für den nächsten Schluck!

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