Geweihtragendes Leichtgewicht

22:07 Uhr – Das Hirsch Pils Original von Hirschbräu in Sonthofen hätte ich wahrscheinlich nicht gekauft, wenn ich nicht im brauereieigenen Getränkemarkt gewesen wäre und mir ein ganzes Probierpaket mitgenommen hätte. Die Aufmachung der Flasche spricht mich nämlich überhaupt nicht an. Auf mattblauem, etwas metallischen Hintergrund rennt von rechts her ein silberner, ebenfalls metallischer Hirsch auf das Etikett. Das erinnert mich irgendwie an einen für wertvoll angesehenen Flohmarktfund aus englischem Silber, der sich dann doch als billiges und wertloses Massenprodukt aus Fernost herausstellt. Nicht mein Stil, aber es kommt ja auch die inneren Werte an. Und da ist Pils ja durchaus mein Stil.

Im Glas sehen wir ein festes Pils in sattem Gold mit einer feinen, weißen Schaumkrone, die sich einigermaßen lange hält. Vereinzelte, größere Kohlesäurebläschen steigen nach oben. Ein würziger Mix aus trockenem Gerstenmalz und grasigem Hopfen dringt in die Nase.

Im Antrunk spiegeln sich diese Eindrücke wieder: Ein deutlicher, aber nicht zu schwerer Malzkörper und sofort feine, leicht herbe und kräuterartige Hopfentöne. An Körper fehlt es dem Allgäuer Bier doch sehr, trotz immerhin 4,7 Prozent Alkohol wirkt es recht verwässert. Das nimmt der eigentlich sehr gelungenen Komposition etwas den Wind aus den Segeln.

Der wässrige Eindruck verstärkt sich leider immer mehr, beinahe meint man ein saures Radler zu trinken. Nicht falsch verstehen: Schlecht schmeckt das Pils nicht! Entsprechend dünn fällt auch der Abgang aus, immerhin zeigt hier der Hopfen nochmal verstärkt eine grasige Herbe, die vor allem in Nachgeschmack in die Vollen geht.

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