Nordischer Früchtegruß

21:43 Uhr – Wenn in deinem Dorf jeden Sommer das größte Metal-Festival der Welt stattfindet, zu dem tausende bierdurstige, langhaarige Musikfreunde pilgern und sich der Name deines Dorfes längst als Synonym für ein Freiluft-Konzertwochenende in Schwarz etabliert hat, liegt es eigentlich auf der Hand, ein Bier zu brauen und den Namen deines Dorfes auf die Flasche zu schreiben. So ungefähr muss 2016 die Wacken Brauerei entstanden sein. Die haben inzwischen eine recht breite Produktpalette, roter Faden ist, dass alle Biere nach irgendwelchen nördischen Göttern benannt sind und diese auch in gezeichneter Forum auf dem Etikett zeigen.

Ich habe mir vor meiner letzten Reise nach Mexiko ein paar dieser Biere bestellt, da ich meinem mexikanischen Freund und Wacken-Fan einige Flaschen mitbringen wollte. Habe ich auch gemacht, ein kleiner Vorrat ist aber auch in meinen Bierkeller gewandert. Das erste davon ist heute fällig, das Crafty Loki Nordic Pale Ale.

Loki ist der Sohn eines Jötunn, eines Riesen und der Blutsbruder Odins. Er ist der vielseitigste aller Götter, aber auch der mit den negativsten Eigenschaften. Er ist Gott des Feuers, des Schabernacks, des Bösen, der Verwandlung, der List und ein dämonischer Trickster, Loki ist halb Gott, halb Riese, ein Gestaltenwechsler, der sich in Adler, Stute, Lachs, Fliege oder in ein altes Weib verwandeln kann. Auf dem gelb-bräunlichen Etikett ist Loki als eine Art Hofnarr mit Narrenkappe, rötlichem Umhang, großer Nase und mit einem Fischernetz in der Hand dargestellt.

Im passende und sehr formschönen „Beer Of The Gods“-Craft-Beer-Glas der Wacken Brauerei gefällt das Nordic Pale Ale sehr: Seine üppige, weiße Schaumkrone bildet einen festen Berg, der über das Glas hinausgeht. Darunter verbirgt sich in dunklem Strohgelb und mit deutlicher, schlieriger Hefetrübung, das Crafty Loki.

Der Geruch ist äußerst intensiv und findet ganz von selbst seinen Weg in die Nase. Er hat auf jeden Fall etwas fruchtiges, aber es ist nicht so ganz klar definierbar. Zitrusfrucht oder tropisches Obst ist es eher nicht, es erinnert mich eher an noch nicht ganz reife Honigmelone oder auch frisch geschnittene, bunten Blumen. Dazu ein Zug von frischer, nordischer Bergluft.

Der erste Schluck täuscht kurz eine starke Herbe an, entscheidet sich dann aber schnell, doch lieber in die süße Richtung zu gehen. Trotz der Honigsüße an den Zungenrändern erinnert das Crafty Loki an unreifes oder grünes Obst, wie Melone, grüne Trauben oder sehr grüne und harte Banane. Was das Bier zu einem ziemlich guten macht, ist seine sehr ausgeprägte Spritzigkeit. Es ist wirklich sehr, sehr erfrischend und mit seinem würzigen, aber leichten Körper (immerhin 5,7 Prozent Alkohol) und seiner hohen Karbonisierung maximal süffig. Nichts außergewöhnlich Ausgefallenes, aber für einen lauen Frühsommerabend genau das richtige Bier.

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