Französischer Gewürzschrank

17:52 Uhr – Dieses kleine Fläschchen Bier von Dr. Gab’s stellt mich sprachlich doch vor einige Herausforderungen, denn die Brauerei sitzt in der französischen Schweiz. Aber was ich verstehe und erahne: Das Bière Municipale Chevallaz blanc wird exklusiv für drei Gastronomiebetriebe gebraut: La Brasserie de Montbenon, le Café de Grancy und le Café St-Pierre. Auf der Zutatenliste des Bière Blanche, also Weißbieres, stehen neben Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen und Hefe noch ein paar spannende Sachen, die da wären: Koriander, Orangenschale, Pfeffer, Zucker. Könnte also ein Witbier mit zusätzlichem Pfeffer sein. Dieser Pfeffer namens Tilfda ist eine Art nepalesischer Sichuan-Pfeffer, der Aromen von Passionsfrucht, aber auch von Grapefruit entwickeln soll. Spannend!

Auch ganz interessant ist tatsächlich das cremefarbene Etikett, das von orangenen Ästen mit Blüten und Früchten durchzogen ist. Zuerst sticht aber das schwarze Portrait eines älteren Herrn mit Krawatte ins Auge. Ich könnte mir vorstellen, dass das dieser Monsieur Chevallaz ist. Die geschwungene Schrift macht die Zutatenliste zwar etwas unleserlich, das Antlitz der Flasche aber umso edler.

Das Bier aus der Schweiz ist richtig schön satt goldgelb, leicht getrübt und es glänzt wunderschön in der Sonne. Wehmutstropfen ist der fast komplett fehlenden Schaum, da hat der deutsche Weißbiertrinker natürlich andere Erwartungen. Im Geruch finden sich die Witbier-Aromen von Koriandersamen und schwacher Orangenschale wieder. Tatsächlich riecht es ein bisschen seifig.

Der erste Schluck überzeugt mit einem vollen Malzkörper mit leicht zuckriger Süße, dazu breite und trockene Hefenoten und ein weiches Gefühl, das wohl vom Weizen kommt. Gelbe Banane, ein Hauch von Orange, aber auch Aprikose und sogar ein bisschen Mango bringen zwar dezent, aber doch spürbar, Frucht ins Glas. Ob ich es bemerkt hätte, wenn es nicht auf der Flasche stünde, ich weiß es nicht, aber: Ja, da ist auch eine sehr angenehme, aromatische Spur von mildem Pfeffer.

Im Finale kommt eine würzige Herbe hinzu, vor allem aber noch mehr teigige Hefe. Diese hinterlässt auch einen trockenen Film im Mund, nach und nach wird die Zunge aber von sehr frischen und lieblichen Tönen von Orange und Grapefruit erobert.

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