Laternen-Halbe

18:23 Uhr – Ich gehe mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir. Mein neustes selbstgebrautes Bier ist die Laternen-Halbe. Sie trägt ihren Namen, weil sie mit dem Hopfen gebraut wurde, der vor dem Haus meiner Eltern an einer Straßenlaterne hochwächst. Und zwar mit Hopfen, den ich frisch (also nicht getrocknet) eingefroren und nach wenigen Wochen verwendet habe. Pro Liter Bier habe ich rund 26 Gramm Hopfen verwendet, alles im Heißbereich (also kein Hopfenstopfen). Der zweite Teil des Namens bezieht sich auf die Gebindeform, die Halbliter Euroflasche.

Neben der Besonderheit des Hopfens habe ich mit diesem Bier erstmalig das Dekoktionsverfahren beim Maischen angewendet. Das ist ein recht ursprüngliches Verfahren, das es in einer Zeit, in der weder Zeit- noch Temperaturmessung bekannt war, möglich gemacht hat, immer wieder gleich zu brauen. Und das geht so: Man nimmt von der Maische immer einen gewissen Anteil (zum Beispiel “ein Eimer”), bringt diesen zum Kochen (hier muss man keine Temperatur messen, man sieht ja, wenn es kocht) und schüttet ihn dann zurück in den großen Bottich zum Rest. Dadurch erhöhet sich die Temperatur der gesamten Maische. Wiederholt man das mehrmals, wir die Maische stufenweise immer wärmer (was ja gewollt ist). Außerdem werden beim Kochen (Achtung, vereinfachte Darstellung!) Enzyme zerstört, Zucker kann später nicht mehr von der Hefe vergoren werden und das Bier wird etwas vollmundiger und süßer. Verwendet hab ich die klassischen Basismalze Pilsener, Wiener und Münchner.

Für das Etikett habe ich ein Foto der Laterne mit vollem Hopfenbewuchs gewählt. Passend zum blau-weißen Sommerhimmel im Hintergrund habe ich auch die Farben der Schriften ausgesucht. Ein bisschen bayerisches Idyll und – was mir jetzt erst auffällt, eine Straßenlaterne, die aussieht wie ein bleicher Mann mit grauem Hut im grünen Gewand.

Dunkelgold, fast schon ins Orangene gehend, und mit mattem Glanz legt sich die Laternen-Halbe ins Glas. Überzogen ist das gleichmäßig trübe Kellerbier von einer üppigen, weißen Krone aus grobem Schaum. Die Kohlensäure steigt äußerst lebhaft empor.

Der dezente Geruch ist etwas süßlich und von den Aromen von frischem Hopfen geprägt. Dazu kommt ein fast schon leicht scharfer Duft von würzigem Gemüse.

Der Antrunk ist weich und süßlich, der Körper zeigt sich für ein Bier mit unter 5 Prozent Alkohol erfreulich vollmundig. Die drei Malzsorten sorgen für eine angenehme Malzsüße, ohne zu aufdringlich zu werden. Die viele Kohlensäure nimmt zudem an Schwere und macht das Bier recht süffig. Geschmacklich ist weiterhin etwas gekochtes Gemüse dabei. Es läge auf der Hand, hier über zu viel Restgehalt von Dimethylsulfid nachzudenken. Am Rande sind auch moosige und holzige Töne zu bemerken.

Der frische Hopfen bringt die grasigen, leicht floralen Noten ins Spiel. Ich bin hier vor allem bei Gänseblümchen, Rhabarber und Kleeblüten. Eine Bitterkeit ist absolut nicht zu erkennen, maximal eine minimale Säure im Abgang. Diese verstärkt sich im Nachgeschmack hinten am Gaumen etwas, so ich sie wieder mit süß-saurem Rhabarber assoziiere.

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