Scharf geschossen

21:21 Uhr – Texas Ranger heißt das Bier der dänischen Brauerei Mikkeller, gebraut wurde es aber in Belgien. Ganz schön international, würde ich mal sagen. Der Name erklärt sich wohl mit einem Hauch von Tex-Mex, denn bei dem Bier handelt es sich um ein Chipotle Porter. Auf der Zutatenliste stehen geräucherte Jalapeño Chilis – genannt Chipotles. Auf dem gelben Etikett geht der Wilde Westen weiter: Im Popart-Stil ist ein Revolver zu sehen, der Finger am Abzug. Im Hintergrund befinden sich, passend zur roten Schrift, Chilischoten.

Ein Bier, das so zähflüssig und schwarz wie Altöls ins Glas schmiert, begleitet von einem wilden Zischen und nach erfolgreichem Einschenken bedeckt von einer hohen, dunkelbraunen, feinporigen Schaumschicht. Was für ein wildes Zeug!

Der Duft spricht nicht von Altöl, sondern von richtig starkem Kaffee. Und stark nicht im Sinne von gut, sondern im Sinne von koffeinreich. Mich erinnert das an so einen löslichen Kaffee, von dem man viel zu viel in die kleine Tasse Wasser eingerührt hat. Neben dem Kaffee bleibt noch etwas Raum für dunkles Brot und eine Spur von schmieriger Schokolade. Nutellabrot mit Kaffee also quasi.

Der Antrunk ist enorm weich, kein Wunder, der Anblick war ja schon ölig. Dazu prickelt aber auch die doch vorhandene Kohlensäure. Nach einem kurzen Augenblick wirft das dunkle Malz mit seiner üppigen Röstherbe alles in die Waagschale, wir sind hier wieder bei einem richtig starken Kaffee oder Mokka, jetzt aber mit einer deutlichen Zuckersüße. Wenn ich genauer reinschmecke, könnte die Süße auch von fruchtigen Hopfenaromen kommen, die bei dem üppigen Malzkörper und 6,6 Prozent Alkohol nur minimal durchscheinen. Ein bisschen sehr reife Mango vielleicht.

Die Chipotle Chilis hinterlassen im Mund nur durch eine dezente Pfeffrigkeit eine kleine Spur. Man muss das Bier schon richtig lang im Mund lassen, damit die Schärfe durchkommt. Dann wird sie aber vor allem an der Zungenspitze immer klarer und nach circa einer Minute sogar richtig feurig scharf.

Der dickflüssige Abgang ist durch die Röstaromen und die Bittere des schwarzen Kaffees geprägt, leicht kratzt wieder wieder Pfeffer im Hals. Nach wenigen Sekunden legen die scharfen Chilis dann aber los und zaubern eine angenehme, aber intensive Schärfe in den Mund und auf die Zunge. Jetzt wissen wir auch, was der Porter mit Texas zu tun hat. Die Schärfe hält richtig lange an, wenn sie nachlässt, kommt ein Geschmack von sehr, sehr dunkler Schokolade dazu. Der beliebte Mix von Chili-Schokolade, hervorgebracht von einem schwarzen Bier aus Kopenhagen. Toll!

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