Tiroler Weiße

22:26 Uhr – Bei meinem Brauereibesuch im Tiroler Örtchen Vils, unweit der deutschen Grenze, wurde mir das Hefeweizen als eines der besten Österreichs angepriesen. Das liege daran, dass der Braumeister Andi aus Deutschland käme, aus dem Allgäu sogar. Und dort könne man, im Gegensatz zu Österreich, eben auch trinkbaren Hefeweizen brauen. Mit diesen Vorschusslorbeeren muss der Inhalt der braunen Halbliterflasche jetzt klarkommen.

Doch zunächst zu den äußeren Werten: Das dunkelgrüne Etikett ist gelb umrandet, das zentrale Element ist das große Brauereilogo. Es zeigt ein gehörntes Tier, vielleicht einen Ziegenbock, der aufgrund eines geschlossenen Auges zwinkern zu scheint. Dieses eigentlich fröhliche Augenspiel passt allerdings nicht zur dunklen und düsteren Gesamtoptik des Tieres, dazu die glühend roten Augen und die rote, herausgestreckte Zunge. Es könnte auch der Teufel persönlich sein.

Der Hefeweizen selbst flößt dagegen gar keine Furcht ein. Nicht im Geringsten. Mit seiner dunkelgoldenen Farbe, seiner leichten Hefetrübung und seinem cremigen, extrem feinporigen dunkelweißen Schaum wirkt er nämlich äußerst anziehend.

Das Tiroler Bier riecht würzig-frisch und – zu meiner Überraschung – ganz leicht nach Rauchmalz (obwohl ich mir dessen Einsatz hier eigentlich nicht vorstellen kann). Sauerteigbrot ergänzt den Geruch.

Der Antrunk ist weich (und übrigens völlig rauchfrei) und erfrischend-süffig. Für doch immerhin 5,2 Prozent Alkohol wirkt das Bier beinahe leicht. Auf der Zunge zeigen sich Getreide, Brot, etwas Heu und auch ein Hauch der für diesen Bierstil so typischen Banane.

Irgendwie ist der Hefeweizen von Vilser Bergbräu interessant, weil er gleichzeitig vollmundig und hefig und doch schlank und leicht ist. Eine erfrischende Angelegenheit auf jeden Fall! Auch der Abgang ist äußerst rund, zwar tritt keine Herbe ein, grasige bis kräuterartige Hopfenaromen sind aber durchaus vorhanden. Im Nachgang legt sich eine leichte, etwas säuerliche Hefenote auf Zunge und Gaumen.

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