Ullrs Fehlschuss

20:40 Uhr – Was für ein Misttag. Kopfwehwetter mit viel Sonne und drückenden Gewittern im Wechsel, sinnlose Kopfweh-Videokonferenzen bei der Arbeit und Kopfwehtelefonate danach. Da kann ein starkes nordisches Bockbier auch nichts mehr kaputt machen. Also her mit dem Ullr Julbock der Wacken Brauerei. Ullr ist zwar der Gott des Winters und passt damit nicht so ganz richtig in den Hochsommer. Aber egal. Ullr, ein zierlicheres Männchen mit blonder Haartolle, Bärtchen, eigenartiger Kopfbedeckung und Fellmantel, ist auch auf dem Etikett dargestellt. Er hat eine Armbrust in der Hand und erinnert ein bisschen an die bekleidete Wikingerversion von Amor.

Was für ein wunderschönes Bier schon wieder! Kupferfarben, fast schon orange, legt es sich ins passende Wacken-Glas, bedeckt von einer dichten, cremefarbenen Schaumschicht. Unzählige klitzekleine Kohlensäurebläschen beleben das Bockbier elegant.

Der Geruch ist zwar einerseits von einer Malzschwere geprägt, andererseits frohlocken auch Aromen wie Thymian, Pfefferminztee, Kräuterwiese und trockenes Tannengeäst. Spannend und fein.

Leider geht der Geschmack nicht mit Optik und Geruch Hand in Hand. Ein komischer Kerl, dieser Ullr. Das 6,5 Prozent starke Bier hat einen ausgeprägten, schweren Malzkörper ohne jede Süße, schmeckt aber tatsächlich ein bisschen wie kalter Kräutersud. Es erinnert mich wirklich an die Tees, die ich mit Kräutern von meinem Balkon koche und dann kalt werden lasse. Nur mit Kohlensäure. Und zugegebenermaßen doch noch ein bisschen besser. Im Abgang zeigt sich am Gaumen dann doch noch eine fast schon säuerliches Süße, die mir aber auch wieder eher zu einem Bio-Erfrischungsgetränk denn zu einem Bier zu gehören scheint. Interessante Bockbier-Interpretation, aber nicht so meins.

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