Die Braunschweiger Mumme

21:50 Uhr – Zur fortgeschrittenen Abendstunde gibt es noch ein Bier, auf das ich mich freue. Oder auf das ich zumindest gespannt bin. Die Braunschweiger Mumme ist eine historische Biersorte, die seit dem späten 14. Jahrhundert bekannt ist. Die ursprüngliche Mumme war wohl ein äußerst klebrige Angelegenheit, da sie vor allem mit Malzzucker haltbar gemacht wurde. Die Steigerung der Mumme war die Schiffmumme, die viel stärker (und wahrscheinlich noch klebriger war) und deshalb sogar problemlos bis in die Karibik verschifft werden konnte, ohne schlecht zu werden. Wir kennen diese Geschichte von anderen Bierstilen wie dem englischen IPA.

Irgendwann war das Malzbier aber dann wohl nicht mehr so arg beliebt, über 200 Jahre lang gab es die Mumme nicht mehr als Bier, sondern nur noch als alkoholfreies Malzgetränk. Bis 2008 die H. Nettelbeck KG das historische Bier wiederbelebt hat. Vor mir steht nun auch eine Doppelte Segelschiff Mumme aus diesem Hause.

Das Logo ziert ein weißes Segelschiff vor blauem Grund, es ist rot umrandet. Auch die Beschriftung des Etiketts ist in Rot und Blau gehalten. Im Hintergrund kann man als Wasserzeichen alte Mumme-Siegel oder -Stempel erkennen.

Jetzt bin ich doch etwas überrascht. Ich habe mit einem zähflüssigen, zuckrigen und pechschwarzen Getränk gerechnet. Die Segelschiff Mumme ist allerdings kupferfarben, mit viel Hang zu einem dunklen Eindruck maximal rotbraun. Ein cremefarbener und auch cremiger, feiner Schaum bedeckt das völlig klare Bier, das mit seiner feinen Kohlensäure zu gefallen weiß.

In die Nase steigt ein schwerer Malzgeruch. Frisches, noch warmes, dunkles Brot, Wal- und Haselnüsse, etwas Süßholz. Das hört sich jetzt vielleicht exotischer an, als es ist. Denn tatsächlich dominiert ein starker, süßlicher Biergeruch.

Der erste Schluck hat für 5,4 Prozent Alkohol einen sehr ausgeprägten Körper. Die schwere Malzigkeit drückt hier voll durch, im Mund wirkt das Bier extrem weich und geschmeidig. Die Süße lässt sich schwer zuordnen, obwohl sie klar erkennbar ist. Irgendwo zwischen süßer Birne, Honig, braunem Kandis und süßer Lakritze.

Nach und nach kommt eine Nussigkeit mit einer Spur von träger Herbe zum Vorschein. Die geht auf jeden Fall in die grasige Richtung und bildet zusammen mit der ganzen Süße eine etwas gewöhnungsbedürftige Kombination im Abgang. Generell schmeck die doppelte Braunschweiger Segelschiff Mumme sogar ganz gut, tatsächlich hatte ich aber etwas spektakuläreres, ausgefalleneres erwartet. Sicher eine sehr an das Jetzt angepasste Version eines historischen Bierstils.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.