Dunkel Machenschaft

19:23 Uhr – Bei diesem Brauprojekt im vergangenen November stand das geschmackliche Ergebnis ehrlich gesagt nur an zweiter Stelle. Die Idee war nämlich, ein trinkbares Bier nur aus Zutaten zu brauen, die in der nächsten Umgebung gewachsen sind. Weil es die Verbindungen so ergeben haben, musste der Radius etwas über das Dorf Adrazhofen erweitert werden, letztendlich stammen aber alle Zutaten aus der Ortschaft Wuchzenhofen: Das Wasser aus der Siebenbrünnen-Quelle, die Gerste vom Bio-Bauern Maier in Allmishofen und der Hopfen aus dem Garten meiner Eltern und eines Nachbarn in Adrazhofen. Lediglich bei der Hefe habe ich etwas gemogelt, und obergärige Trockenhefe zugekauft, nachdem mein letzter Versuch mit wilden Hefen ordentlich in die Hose gegangen ist.

Gerste quasi frisch vom Feld ist natürlich noch nicht fürs Bierbrauen geeignet. Also musste ich das Getreide erst noch Mälzen und trocknen. Das ging bei den sechs Kilo Gerste mit zwei Wäschewannen noch relativ gut, die Kerne haben nach einigen Tagen zwischen Nass- und Trockenphasen schön ausgetrieben. Anschließend musste das Gerstenmalz getrocknet werden, das habe ich in vielen Schichten im Backofen gemacht. Dazu muss die Gerste für einige Tage bei relativ geringer Temperatur ins Rohr; ich war wohl etwas ungeduldig, habe die Temperatur etwas rauf gedreht – und dadurch nicht nur getrocknet, sondern auch geröstet. Das Interessante ist aber, dass man den Körnern die Röstung gar nicht so sehr ansieht, das kommt erst beim Brauen raus, wenn das Bier plötzlich dunkel wird. Die Hopfendolden habe ich einfach ein paar Tage an der Sonne getrocknet.

Die Dunkle Machenschaft ist dunkel geworden, auch wenn das gar nicht die ursprüngliche Absicht war.. Im Glas habe ich eine dunkelbraune Flüssigkeit vor mir, die an Spezi erinnert. Fällt Licht ein, wird ein rötlicher Glanz sichtbar, die Farbe geht dann in Richtung Kastanie. Für ein Bier seiner Färbung ist die Kohlensäure auffallend lebhaft; sie sorgt für einen sehr feinen, langatmigen, leicht cremefarbigen Schaum. Optisch bin ich durchaus zufrieden.

In die Nase dringt der süßliche Duft von getrockneter Gerste, das riecht fast wie ein alkoholfreies Bier. Dazu kommen sanfte Röstaromen, die aber nicht in Richtung Kaffee oder Rauch gehen. Schließt man die Augen, könnte der Geruch auch aus einem Heustock kommen: Intensiv, sanft, natürlich. Was bisher fehlt – oder sich hinter dem Heu versteckt, ist der großzügig verwendete Adrazhofener Hopfen.

Auch im ersten Schluck ist zunächst das Aroma von getrocknetem Getreide vordergründig. Zweiter dominanter Geschmack ist weiterhin das heuig-grasige. Das könnte von den getrockneten Hopfendolden kommen, ein Großteil davon ist ja schließlich grünes Pflanzenmaterial (keine Ahnung, wie da der Fachbegriff ist), das quasi zu Heu wird. Diese Note hatten schon andere mit diesem Hopfen gebraute Biere, aber nie so intensiv. Im Abgang zeigen sich dann doch recht stark die Rauch- und Röstaromen, die die Gerste beim Rösten angenommen hat. Ich will nicht sagen, dass es nach altem Aschenbecher schmeckt, im positiven Sinne geht es aber schon ein klein wenig in diese Richtung. Herbe ist wirklich nur sehr gedämpft vorhanden, und wenn, dann im Zusammenspiel mit einem derb-fruchtigen, leicht säuerlichen Hopfenaroma. Das zeigt sich kurz im Abgang und dann vor allem im Nachgeschmack.

Die ersten beiden Proben fand ich etwas schwierig, aber heute kann ich meinem neusten Werk durchaus was abgewinnen. Die Dunkle Machenschaft täuscht an, ein schwerer Brummer zu sein. In Wirklichkeit ist sie aber ein einigermaßen leichtes, süßlich-malziges Bier mit ausgeprägten Getreide- und Röstaromen. Ich glaube schon, dass man das Bier mit gutem Gewissen anderen Bierfreunden zur Probe vorsetzen kann.

Aber wo ordnet man die Dunkle Machenschaft mit ihren knapp 5 Prozent Alkohol denn jetzt ein? Es ist ein obergäriges Bier mit Gerstenmalz, also ein Ale. Vielleicht ein Brown Ale? Mit etwas mehr Phantasie auch ein Red- oder Amber Ale. Oder sind wir hier gar schon auf der Spur eines Porters unterwegs? Was soll’s, bleiben wir doch einfach beim Ortschaftsbier.

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