Englisch, fruchtig, schwarz

19:19 Uhr – Man soll die Feste ja bekanntlich feiern, wie sie fallen. Darum feiern wir heute nicht nur den mexikanischen Unabhängigkeitstag, sondern öffnen oben drein auch noch ein besondere Flasche Bier, obwohl es nur ein gewöhnlicher Mittwoch ist. Der India Double Porter von der The Kernel Brewery aus London habe ich im Frühsommer bei Dr. Hops in Leipzig gekauft. Es war nicht günstig. Aber an einem mit den fruchtigen Hopfensorten Citra und Simcoe gebrauten Porter bin ich einfach nicht vorbei gekommen. Zu erwarten ist ein starkes, tiefschwarzes, schweres Bier mit Zitrusaromen.

Jetzt sitze ich etwas ehrfürchtig vor dieser kleinen braunen Flasche. Das schmale, hellbraune bis sandfarbene Etikett erinnert an Packpapier. Beschriftet ist es ausschließlich in schwarzen Großbuchstaben. Sehr einfach, könnte man sagen. Schlichte Eleganz, könnte man aber auch sagen. Noch ein Satz zur Kernel-Brauerei: Liegt unter einer Eisenbahnbrücke in London und kann wohl als sowas wie der richtige heiße Scheiß in der Brauereiszene der englischen Hauptstadt bezeichnet werden. Besondere Merkmale: Amateurhafte Etiketten (oder: schlichte Eleganz) und absolut ungleichbleibendes Bier. Dieses Porter wird also unter Umständen total anders schmecken, als das gleiche Bier, das vier Wochen später gebraut wurde.

Das tiefschwarze Bier fließt fast wie dunkles Öl aus der Flasche ins Glas. Dort legt es sich absolut lichtundurchlässig unter eine üppige, feinporige und hellbraune Schaumschicht, die recht beständig ist und an besten Milchschaum erinnert. Der tropische Duft weht über den Tisch hinweg in meine Nase. Zitrusfrüchte und sehr reife, schwarze Johannisbeeren sind da zu finden. Je tiefer man die Nase jedoch ins Glas steckt, desto dominanter wird die Röstnote von gesüßtem Kaffee und dunkler Schokolade. Auch etwas dunkles Holz und Lakritze sind da zu bemerken, immer begleitet von den fruchtigen Aromen. Wow.

Der Antrunk ist rauchig und füllt den Mund mit Kaffeebittere. Es entwickelt sich ein irrer Geschmack von sehr dunkler Schokolade in Kombination mit fruchtiger Süße von Orangen und Beeren. Außerdem ist ein Hauch von gerösteten Nüssen zu schmecken, ebenso wie dunkle Lakritze. Im Mund ist der Porter fast zähflüssig und äußerst weich. Die 7,5 Prozent Alkohol fügen sich unauffällig in die vollmundige Schwere ein. Im Abgang ist die leichte Süße im Zusammenspiel mit würzigem Pfeffer so auffällig und interessant, dass der Trinker vom eigentlich dominanten Geschmack abgelenkt wird: Die Bitterkeit von kaltem Kaffee.

Diese legt sich im Nachgeschmack weich und trocken in Mund und Rachen – welche sogleich noch dem nächsten Schlückchen von dieser Köstlichkeit verlangen. Ein sensationelles Bier. Wenn ihr das mal wo seht: Kaufen, kaufen, kaufen!

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