Flüssige Gartenarbeit

19:22 Uhr – „Lass dir raten, trinke Spaten“ – also gut, dann gibt es halt heute ein Helles von der Münchner Spaten-Brauerei. Beworben als das erste Münchner Hell überhaupt, seit 125 Jahren. Auch die Brauerei verbindet man ja irgendwie mit viel Tradition. Stimmt auch, denn die Geschichte lässt sich bis 1397 zurückverfolgen. Allerdings, um nicht leider zu sagen, gehört Spaten nicht schon längst mit Franziskaner und Löwenbräu zusammen, sondern auch schon seit 1997 zum internationalen Braukonzern Anheuser-Busch-InBev. In Wirklichkeit also ein Industriebier unter dem Deckmantel uralter Münchner Braukultur.

Das Etikett mag ich dann aber doch sehr. Es ist traditionell, aber doch anders, irgendwie dezent und irgendwie wuchtig: Total dominant ist das Brauereiwappen, ein weißer Spaten auf roten Grund. Darüber und darunter stehen in den verschiedensten Schriftarten nur wenige Worte. Ein besonders Lob gibt es noch für die Rückseite. Dass auf Bierflaschen die Nährwerte angegeben sind, ist sehr selten (höchstens bei Alkoholfreiem). Aber das Spaten wartet mit einem echt vernünftigen Highlight auf: Die Kalorien sind nicht für 100 Milliliter angegeben, sondern für eine Portion á einem halben Liter. Das ist mal eine Maßeinheit, mit der der Biertrinker was anfangen kann. 225 Kalorien hat so eine Flasche übrigens. Mit 8 Spaten Hell ist der Tagesbedarf also gut gedeckt.

Die Bierfreunde aus München haben es mit dem Begriff „Hell“ ganz genau genommen: Das Bier ist unfassbar hell, von einem schwachen Strohgelb, total klar und durchsichtig. Das macht mich erstmal nicht so an, die üppige, feine Kohlensäure und der feine Schaum versprechen aber zumindest eine Erfrischung der Extraklasse.

Selbst unter größter Anstrengung riecht das Spaten nach nichts. Mit viel gutem Willen kann man einen ganz feinen Duft nach Getreide erkennen. Der erste Schluck ist zwar dünn, aber nicht so wässrig wie befürchtet. Wo sich darin 5,2 Prozent Alkohol verstecken sollen, ist mir aber dennoch schleierhaft. Viel Geschmack ist leider nicht zu beschreiben, die trockene Malzigkeit ist für ein Helles okay, die leichte Würze auch, dazu kommt aber eine, zwar nicht starke, aber äußerst unangenehme Bittere. Außerdem fehlt dem Bier irgendwie die Spritzigkeit, was mich bei der vielen Kohlensäure doch überrascht. Das führt in Summe eher zu einem lahmen, schalen und wenig erfreulichen Biererlebnis. Wahrlich kein Aushängeschild für Münchner Braukunst.

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