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Talweizli

  • 19. Dezember 202119. Dezember 2021

17:00 Uhr – Vor mir steht ein Weizenbier aus der Schweiz, soviel ist klar. Für alles weitere muss ich mich erstmal auf dem Etikett orientieren, das sich in zwei Teile teilt: Einmal ist die Drittelliterflasche rundum beklebt, außerdem trägt sie am Flaschenhalts ein abnehmbares Halsetikett. Die Brauerei aus dem Dorf Martina in Graubünden heißt Bun Tschlin (oder Bieraria Tschlin, das ist nicht so ganz klar), sie liegt sehr genau im Dreiländereck mit Italien und Österreich. Das Bier selbst hört auf den Namen Val Müstair Weizen. Das Val Müstair, zu Deutsch: Münstertal, ist ein Tal in eben dieser Ecke Graubündens. Sehr prominent taucht auf den orange-weiß-schwarzen Etiketten aber noch ein anderer Name auf, angekündigt in Form der platzeinnehmenden Buchstaben B und E: Biera Engiadinaisa. Das Engadin ist wiederum ein (anderes?) Tal in Graubünden, und von dort kommen alle Zutaten für dieses Bier. Wäre das also auch geklärt. Zudem handelt es sich um ein Biobier – und eine Kooperation mit dem Naturpark Val Müstair und dem Handelsunternehmen Coop gibt es auch noch. Ganz schön viel gelernt wieder, und die Flasche ist noch nicht mal geöffnet.

Goldgelb und schön gleichmäßig getrübt sieht das Schweizer Bier im Weizenglas beinahe so aus, wie man es sich wünscht. Unten, wo das Glas schmäler wird, macht es, trotz 5,4 Prozent Alkohol, einen etwas dünnen Eindruck. Und die Schaumkrone türmt sich nicht so, dass man sich das Foto direkt ins Fotoalbum kleben will, dazu baut sie sich ziemlich schnell ab.

Der Geruch identifiziert das Getränk dann aber ganz eindeutig als Hefeweizen: Viel Nelke, dicke Brotigkeit, getrocknete Bergkräuter. Im spritzigen, vollmundigen und sehr weichen Antrunk gesellt sich noch eine säuerliche, fruchtige Orangennote mit dazu. Die Kombination aus schwerem, feuchtem Hefebrot, würziger Nelke und spritziger Orangensäure macht das Bier aus Graubünden zu einem außergewöhnlichen, spannenden Vertreter des Hefeweizens. Auf keinen Fall ein Klassiker.

Im runden Abgang wird das Zitrusaroma noch durch eine schöne, feuchte Hopfenherbe ergänzt. Ich meine sogar einen Hauch von Zimt zu schmecken (vielleicht bin ich aber auch schon zu sehr in Weihnachtsbierstimmung). Im Nachgeschmack wird es mit Orangenschale, Nelke und einem Hefefilm am Gaumen trocken im Mund. Das macht aber nix, denn der nächste Schluck ist schon unterwegs.

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