Verhaltener Frühling

17:33 Uhr – Nach einem Weltuntergang im seiner nassesten Reinform kommt gegen Feierabend die Sonne raus, das kennen wir ja aus den letzten Tagen und Wochen so. Aber soll das jetzt schon dieser Frühling sein? Ende Mai dürfte man das ja wohl erwarten. Das Wetter ziemlich egal ist wohl der Flasche Ayinger Frühlingsbier, die jetzt meine abendliche Freizeit einläutet. Ein sehr klassisches Etikett in verschiedenen Grün- und Brauntönen, in dessen Zentrum die stark reduzierte Ansicht eines bayerischen Dorfes zu sehen ist. Um ein naturtrübes Exportbier handelt es sich laut Beschreibung bei diesem Getränk – da bin ich mal gespannt.

In hellem Strohgelb füllt das Frühlingsbier das Glas. Obwohl man ganz klar eine feine Trübung erkennen kann, vermittelt der helle, leichte Anblick in der Sonne den Anschein von Klarheit. Die Optik spielt auch eine Leichtigkeit vor, die das Bier gar nicht so unbedingt hat, mit 5,5 Prozent Alkohol ist das nämlich ein ausgewachsenes Export.

In der Nase kommt sofort der Frühling ins Spiel: Erfrischende Noten vom Hopfen, die vor allem blumig sind, aber auch leicht in Richtung Zitrone gehen. Dazu der durstmachende Duft von hellem Malz – toll!

Der Antrunk überrascht mit einem leichten Mundgefühl und etwas fehlender Spritzigkeit. Auffällig ist ein dichter, schmieriger Hefefilm, der den Mund ausfüllt. Außerdem wirkt das Bier am Gaumen recht mineralisch, fast schon ein bisschen metallisch. Schade, dass sich hier dieses tolle Getränk, dass man noch in der Nase hat, nicht im Mund fortsetzt.

Aus der durchaus wahrnehmbaren Herbe führt wieder ein schmaler Weg hin zu Zitrusfrüchten, am ehesten zu einer Grapefruit. Der Abgang ist recht unauffällig und weich, dann setzt sofort ein herber, breiter, leicht ätherischer Nachgeschmack ein. Der entwickelt sich von einer frischen Note schnell hin zu einem unangenehmen, mehligen Nachgeschmack, der nach einiger Zeit leicht an Fisch erinnert.

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