Die zweite Diplomatin

18:57 Uhr – Zum ausklingenden Sommer kommt das nächste Selbstgebraute unter die Lupe. Ich habe mich an einer neue Version der Diplomatin gemacht, ein New England IPA, das ich letzten Herbst zum ersten Mal gebraut habe. Es kam gut an, ich war nicht total zufrieden. Darum habe ich das Rezept leicht verändert, aber nur so, dass es noch als das gleiche Bier durchgehen kann. Auch das Etikett ist entsprechend quasi das gleiche geblieben. Um dennoch zu zeigen, dass es eine neue Generation der Diplomatin ist, habe ich die ursprünglich roten Akzente nun gelb eingefärbt und den Flaschen auch gelbe Kronkorken verpasst.

Im letzten Jahr habe ich bemängelt, dass es doch arg hefig geschmeckt hat. Ich habe ein minimal an der Schüttung gedreht und noch ein bisschen Weizenmalz dazu getan. Außerdem habe ich die Hefesorte verändert und – was vermutlich die größte Auswirkung hatte – nicht mehr in der Flasche vergoren. Entsprechend ist bei der neuen Diplomatin kein Hefesatz mehr am Flaschenboden.

Bei den Hopfensorten habe ich etwas experimentiert, auch wenn es vom Aromaprofil her natürlich bei den fruchtigen Hopfen geblieben ist. Überlebt hat vom letzten Jahr nur der Amarillo, statt Yellow Sub, Sorachi Ace und Crystal sind in diesem Jahr aber Callista, Cascade und Summit an Bord. Letztendlich ist es bei solchen Trendhopfen natürlich auch immer die Frage, was man gerade zu welchem Preis besorgen kann. Nun aber zur Verkostung.

Dunkel bernsteinfarben, schon fast in ein rötliches Rehbraun hineingehend, liegt die Diplomatin sehr trüb und matt im Glas. Bedeckt wird sie von einer dünnen aber langatmigen, cremefarbenen Schaumschicht mit Gelbstich, die von großen Blasen durchbrochen wird.

Ein intensiver fruchtiger Duft weht aus dem Glas heraus. Hopfige Zitrustöne mit starker Grapefruit, etwas Steinobst, aber auch tropische Töne von Mango, Litschi und anderen Südfrüchten. Dazu kommt auch ein bisschen herbes Gras.

Der Antrunk ist ziemlich herb (für ein NEIPA zugegebenermaßen viel zu herb) und trocken. Die Fruchtigkeit rückt stark in den Hintergrund dieser Herbe. Vielmehr treten nun würzige Töne und Spuren von Pfeffer nach vorne. Der Geschmack von bitterem Gras und Kiefernnadeln verstärkt den herben Eindruck. Auch die verbleibenden Fruchtaromen von Grapefruit und Orangenschalen gehen doch sehr in diese bittere Richtung.

Das Bier liegt voll und mit allen Ecken und Kanten im Mund, die lebhafte Kohlensäure macht es trotz aller Herbe und 6,2 Prozent Alkohol zu einem recht spritzigen Getränk. Im Abgang flackert kurz die Süße von tropischen Früchten auf, ehe die Diplomatin mit einer pfeffrigen Schärfe die Kehle hinab läuft. Im Nachgeschmack legt sich ein trockener, bitterer Film auf Zunge und Gaumen, der sehr lange nachhallt und nach und nach den Geschmack von Stroh annimmt.

Die Hefigkeit aus der ersten Version habe ich in den Griff bekommen, auch scheinen die Flaschen nicht mehr zum Explodieren zu neigen. Deutlich weniger Alkohol (ehemals 7,5 Prozent) sind bestimmt auch kein Fehler. In Sachen Optik und Fruchtigkeit kann die zweite Diplomatin mit ihrer Vorgängerin mithalten. Etwas Abstriche sind sicherlich bei der Cremigkeit zu machen. Und dann ist da die Sache mit der Herbe: So ist das leider nicht wirklich eine New England IPA, sondern nur ein ganz normales, immer noch bitteres, India Pale Ale. Das steht jetzt nicht ganz richtig auf dem Etikett und ist sicherlich der Punkt, an dem man bei einer eventuellen nächsten Version nachjustieren sollte.

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