Gehörnte Marzipanbiene

21:14 Uhr – Ich bin ganz großer Fan des Etikettendesigns der Österreichischen Brauerei Brew Age. Meisten tauchen da Illustrationen von irgendwelchen tierähnlichen Fabelwesen auf, die lustig aussehen und in einer Verbindung zum Namen des Bieres stehen, die manchmal nicht auf den ersten Blick klar ist. Beim Bienenstich Honigbock ist es relativ leicht zu erkennen: Das Geschöpf ist vorne ein Bock mit Hufen an den Vorderbeinen, Hörnern, einem weit aufgerissenen Maul und großen Augen. Irgendwie hat er einen etwas psychedelischen Gesichtsausdruck, vielleicht hat er auch einfach nur Spaß. Der hintere Körperteil ist der einer Biene, rund, schwarz-gelb gestreift, mit Stachel und Insektenbeinchen. Das Wesen hat auf dem Rücken zwei weiße Flügel und scheint gerade über einer hügeligen, braungelben Landschaft abzuheben. Wie immer ist das Brauereilogo mit Vulkan perfekt ins Design eingearbeitet.

Bernsteinfarben und leicht getrübt liegt das Bockbier im Kelch, bedeckt von einer dunkelweißen, sehr feinen Schaumschicht, die mittellange hält und mit der Zeit immer weniger und gröber wird. Der Geruch ist interessant, denn wider Erwarten ist er nicht honigsüß. Viel mehr kommt der weiche, dezente Duft von Wachs in die Nase, gepaart mit lieblichen und doch würzigen Tönen einer herbstlichen Blumenwiese. Beim ganz tiefen Einatmen findet man auch einen Hoch von flüssigem Karamell und Marzipan.

Der erste Schluck macht einen sehr sanften Eindruck. Geschmacklich kommt nur leicht süßer Waldhonig nach vorne, fügt sich in Waben aus Bienenwachs ein. Dazu eine blumige bis waldige, leicht holzige Herbe, die durchaus noch den Geschmack von Alkohol durchlässt. Davon hat das Wiener Bier immerhin 7,5 Prozent.

Mit steigender Temperatur wird der Honigbock interessanterweise immer winterlicher. Spuren von Marzipan und Spekulatius mischen sich unter den Honig. Fast ein kalter Punsch, den man sich hervorragend am lodernden Ofenfeuer vorstellen könnte. Der Abgang ist zunächst unauffällig, der Nachgeschmack hat es aber in sich: Glühweingewürz, Marzipan, Wachs und Mandeln betören den Gaumen, ein weiches Gefühl von zähflüssigem Honig bleibt zurück.

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