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Kopfstand in Giesing

20:07 Uhr – Der Szenekenner weiß: Das Etikett klebt mit Absicht falschrum auf der kleinen Flasche. Und auch die Unschärfen im Druck sind kein Fehler. Das gehört beim Sternhagel von Giesinger Bräu aus München so. Schließlich bezeichnet die Brauerei dieses obergärige Starkbier selbst als Endgegner. Auf den Kopf gestellt wurde das klassische Etikett der Brauerei: Die rote Kirche mit dem großen Giesinger-Schriftzug. Von betrunkener Hand wurden noch einige gelbe Sterne eingezeichnet.

Ich musste das Glas jetzt sehr voll machen, weil ich die Flasche leer haben wollte. Fürs Foto, damit ich sie auf den Kopf stellen kann. Darunter hat die Menge des leicht rötlichen Schaums etwas gelitten. Der naturtrübe Doppelbock mit 8,5 Prozent Alkohol ist kupferfarben, vereinzelt dringen Bläschen von Kohlensäure noch oben.

Der Geruch verrät sofort eine Hopfung mit fruchtigen Hopfensorten. Es sind die Klassiker wie Mango, Maracuja und Grapefruit, die intensiv in die Nase kommen. Dazu kommt eine strenge Harzigkeit, die verrät, dass es dieses Bier schon in sich hat.

Der weiche erste Schluck schmiegt sich sehr rund an die Zunge. Süßer Karamellgeschmack ist dominant im vollmundigen Körper, ergänzt von den fruchtigen und bereits benannten Hopfennoten. So erinnert das Münchner Bier durchaus an ein IPA – es spräche meiner Meinung auch nichts dagegen, diese Bezeichnung auf die Flasche zu schreiben. Dazu würde auch die Herbe passen, die einerseits vom dicken Malzkörper versteckt wird, andererseits aber auch selbst alkoholische Noten verbirgt.

Mit steigender Temperatur kommt der Alkohol zwar etwas zum Vorschein, zwischen dem dicken Karamell und den exotischen Früchten wirkt er aber eher wie Marzipan. Diese Art von hellem Bock gefällt mir wirklich sehr gut, auch wenn er natürlich tödlich ist.

Im Abgang wird der Alkohol noch eine Spur deutlicher, begleitet von nun schwereren, gelben Steinfrüchten. Der Nachgeschmack erinnert an aromatisierten Rum, darin ein paar herbe Kräuter.

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