Sabines Südseetraum

19:01 Uhr – Als ich im Herbst den Malzhersteller Weyermann in Bamberg besucht habe, konnte man wegen Corona leider die Produktion nicht besichtigen. Aber immerhin hatte der Fanshop auf. Dort habe ich mir ein paar Flaschen Bier gekauft, das in der hauseigenen Brauerei gemacht wird. Wäre ja auch doof, ganze Hallen voll von bestem Malz zu haben und dann kein Bier zu machen. Wobei – Bier ist das ja genau genommen gar nicht. Denn was nicht dem Reinheitsgebot entspricht, darf in Bayern auch nicht Bier genannt werden. Weil in Sabine’s Coconot Dream eben Kokosnuss verbraut wurde, handelt es sich offiziell um ein alkoholhaltiges Malzgetränk.

Wie bei allen (ich nenne es der Einfachkeit halber weiter so) Bieren von Weyermann ist auch diese Flasche mti einem rot umrandeten, gelben Etikett beklebt, auf dem eine große, rote Zahl steht. In diesem Fall ist das die 60, wohl, weil das Bier zum 60. Geburtstag der Fimenchefin Sabine Weyermann entstanden ist. Unter der Zahl sind eine rosa Blüte und eine halbierte Kokosnuss zu sehen.

In blickdichtem Schwarz, erstaunlich glänzent und mit viel ganz feiner Kohensäure füllt das Bier aus Bamberg das Verkostungsglas. Die fingerdicke cremefarbene Schaumschicht hält nicht besonders lange, zurück bleibt deine dünne Schicht aus verschieden großen Bläschen, die die Oberfläsche gerade noch so bedeckt.

Der schwere Duft ist von Röstaromen von Kaffee und dunkler Schokolade geprägt, es schwingt aber auch ein bisschen Süße mit, die mich an Rosinen erinnert. Obwohl nicht behaupten würde, dass ich Kokos rieche, kam mir sofort ein Bounty-Riegel in den Sinn. Unterschwellig scheint also doch ein bisschen Kokos in die Nase zu kommen.

Der erste Schluck überrascht erstmal mit einem für die tiefschwarze Farbe erstaunlich leichten Körper. Auch die 6 Prozent Alkohol vermutet man hier auf gar keinen Fall. Geschmack hat das Bier sogar ziemlich viel, aber er ist relativ schwierig in Wort zu fassen. Dominant ist selbstverständlich der dunkle Malzkörper mit seinen feinen Röstaromen, die kaum für Bitterkeit sorgen. Dazu kommen weitere Süße Elemente von braunem Zucker und dunklen Trockenfrüchten.

Letztgenannte Aromen erinnern mit der Zeit immer mehr an ein Holzfass, vielleicht ein mit Rum vorbelegtes (ich glaube nicht, dass dieses Bier jemals ein Holzfass gesehen hat). Im Abgang schwillt die Röstbittere ein klein wenig an, aber höchstens bis zum Grad von Bitterschokolade. Das ist auch der bestimmende Nachgeschmack. Mit viel gutem Willen auch mit einer Spur von trockener Kokosnuss. Sie ist nicht stark da, aber eben doch ein bisschen. Gerade das macht vielleicht den Reiz aus.

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