Schweizer Südseetraum

17:00 Uhr – One Shot heißt dieses Bier von Dr. Gab’s. Ein Schuss – weil es die Sorten der Serie nur jeweils genau einmal gibt. Ich habe heute die zweite Auflage vor mir stehen. Ein ausgefrorener dunkler Doppelbock, also ein Eisbock, der dann für 14 Monate in einem jamaikanischen Rumfass gelagert wurde.

Das Etikett deutet allerdings eher nicht darauf hin, dass hier sowas Besonderes in der Flasche ist. Der schwarz-weiße Hintergrund sieht aus, wie eine extrem herangezoomte Aufnahme was irgendwas, dazu grüne Akzente. Lediglich die schwarze Wachshülle um Kronkorken und Flaschenhals signalisiert die Exklusivität des Getränks. Aber sehr unauffällig, denn auf der dunklen Flasche fällte das erst auf den zweiten Blick auf.

Pechschwarz fließt das Bier aus der Schweiz ins Glas. Ganz kurz bildet die aufsteigenden Kohlensäure einen leuchtend orangebraunen Schaum, der aber sofort wieder vollständig verfliegt. Nur direkt am Glas sorgen die aufsteigenden Bläschen für kleine, dunkelweiße Schaumfleckchen, während der Rest des Glasinhalts tiefschwarz, maximal mit einem Hauch ins sehr Dunkelbraune, und lichtundurchlässig ist.

In die Nase gelangt ein intensiver Geruch, der sofort verrät, dass dieses Bier für einige Zeit im Rumfass lag: Schwere Noten von eingelegten, süßen Früchten, dunkles, nasses Holz, etwas Kokos, süßes Lakritz. Aber auch ein tatsächliches, süßliches Rumaroma ist eben dabei.

Weich und geschmeidig läuft das One Shot über die Zungenspitze in den Mund. Eine süße, schwere Fruchtigkeit drängt sich nach vorne. Ja, das erinnert an Rumtopf, aber nicht mit heimischen Früchten, sondern mit eingelegtem tropischem Obst: Ananas, Mango, auch Zwetschgen und dunkle Weintrauben.

Ich wiederhole mich, aber wie samtig und weich dieser Eisbock ist, ist wirklich ein Traum. Dazu die feine Karbonisierung und die deutliche Süße, die einen vergessen lassen, dass hier 8,3 Prozent Alkohol im Glas sind. Denn auch wenn der Rum klar bemerkbar ist, so ist da doch kein auffälliger Alkoholgeschmack.

Das geröstete Malz bringt selbstverständlich auch gewisse Röstaromen mit sich, die eine hölzerne Herbe ins Bier bringen. Aufgefangen vom süßen, dicken Körper erinnert mich das aber tatsächlich an Kokosnuss. Zusammen mit der – scheinbar – flambierten Ananas eine tolle Kombination.

Mit andauernder Trinkzeit und steigender Temperatur schleicht sich eine leichte Säure in das schwarze Bier. Ob diese nun ihren Ursprung in der Fasslagerung hat, oder schon vorher im Bier war, vermag ich nicht zu sagen. Diese Wendung sorgt dafür, dass das One Shot #2 dezent an süßen, aber dennoch schweren Rotwein erinnert. Vielleicht eher an einen Süßwein. Und langsam schließt sich da der Kreis auch wieder zum Rumtopf.

Auch im Abgang ist das Bier weich und anschmiegsam. Die leichte Säure begleitet das volle, süße Rumaroma auf den letzten Zentimetern. Im ewig anhaltenden Nachgeschmack liegen zunächst leichte Röstaromen in einem Bett von Süße und süßer Säure, die Zunge wird leicht pelzig, vor sie den Geschmack von Lakritze, Rum, gebackenen Südfrüchten und jamaikanischem Rum wahrnimmt.

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