Silberne Segel

22:05 Uhr – Diese Flasche von der Störtebeker Braumanufaktur aus Stralsund sieht mal richtig edel aus: Auf dem Hauptetikett ist unter einem weißen Balken mit dem Brauereischriftzug ein silbern glänzendes Kunstwerk zu sehen, das ein zweimastiges Segelschiff in rauer See und unter stürmischem Himmel zeigt. Der reflektierende Effekt von Silberpapier lässt das Schiff richtig aus dem Motiv herauswachsen. Sehr cool. Aber damit noch nicht genug. Unter diesem Etikett ist nochmal ein schmales, dunkelblaues Etikett zu finden. Dort ist groß der Alkoholwert (8,5) geschrieben, außerdem, wieder silbern, der Name des Bieres: Arktik Ale. Beide Etiketten gehen fast komplett um die Flasche. Ein kleines rotes Fähnchen oben am Flaschenhals setzt dann noch eine optische Schlusspointe. Wirklich sehr schön.

Nun noch ein Exkurs zum Bierstil: Wir haben hier ein oberägriges Ale, stark alkoholisch, wohl hell, stark gehopft mit modernen, zitrusfruchtigen Hopfensorten. Gemeinhin würde man dazu wohl IPA – India Pale Ale – sagen. Da die Schiffe von Stralsund aus wohl in andere, nördlichere Gefilde starten, nennt die Störtebeker Braumanufaktur das Bier eben Arktik Ale. Soll mir auch recht sein.

Der Kelch ist fast zur Hälfte von einer feinporigen, cremeweißen Schaumschicht gefüllt. Darunter glänzt ein goldenes Bier hervor, durch dessen gleichmäßige Trübung sich feine Fäden von Kohlensäure nach oben ziehen. Durch den Schaum dringt ein feiner, süßer Geruch nach Zitrone. Oder eher nach erfrischenden Zitronenbonbons. Die Hopfensorte Lemondrop macht hier ihrem Namen alle Ehre.

Der erste Schluck ist weich und für den hohen Alkoholgehalt recht süffig. Die Zitrone macht nun einen etwas herberen Eindruck, ohne jedoch bitter zu werden. Dazu mischen sich dunkle Beeren und waldige Aromen von Tannennadeln und Harz. Ein Hauch von Minze bewahrt dem Starkbier seine Frische, denn nach und nach fängt der viele Alkohol an, die Zunge etwas zu lähmen – die Schlücke werden kleiner. Diese Prise einer Alkoholnote schadet dem Bier nicht sonderlich, unterstreicht aber klar, das hier Vorsicht geboten ist.

Bei nochmaligen Bewundern des Etiketts ist mir ein äußerst wichtiges Detail aufgefallen, dass ich zunächst im silbernen Meer übersehen habe: Dieses Bier ist ein Eisbock! Ausgefroren wurde das Atlantik Ale von Störtebeker, ein Bier mit 5,1 Prozent Alkohol. Schade, dass ich das so spät bemerke, sonst hätte man beide im Vergleich trinken können.

Nun, da ich erkannt habe, um was für ein Bier es sich handelt, stört mich die Alkoholnote noch weniger – und die enorme Spritzigkeit überrascht mich noch mehr.

Mit steigender Temperatur gesellen sich zur Minze noch weitere erfrischende Gartenkräuter. Auch die holzigen und waldigen Töne kommen etwas mehr nach vorne, sodass es sich tatsächlich etwas nach nordischem Wald im Frühsommer anfühlt.

Im Abgang gibt das Arktik Ale nach einem letzten Herbeschub den Geschmack von Marzipankartoffeln frei. Der verschwindet jedoch schnell wieder und überlässt den letzten Vorhang einer trocken Herbe von Zitrusschalen und Alkohol.

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