Café Lager (La Jarocha)

14:13 Uhr – Mein neustes selbstgebrautes Bier gibt es natürlich zur Kaffee & Kuchenzeit, denn es handelt sich um ein Bier mit Kaffee. Die Idee war, ein helles Lagerbier zu brauen und das mit Kaffee zu versetzen. Als Kontrast zu den üblichen dunklen Kaffee-Bieren. Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Arten von kaltem Kaffee habe ich mich entschieden, den kalten und kalt gebrauten Kaffee vor der Gärung ins kalte Bier zu geben. Dadurch entwickelt der Kaffee keine zusätzlichen Bitterstoffe, sondern gibt nur sein Aroma ins Bier ab.

Genutzt habe ich Kaffeebohnen aus dem mexikanischen Veracruz. Daher auch der Beiname des Bieres, denn die dortigen Bewohner nennt man in Mexiko Jarochos, bzw. die Frauen eben Jarochas. Um beim Motiv Südmexiko zu bleiben, habe ich das Bier ausschließlich mit polnische Kazbek-Hopfen gebraut, dem ein feines Orangenaroma nachgesagt wird. Reife Orangen und frischer Kaffee, das passt doch in den Süden Mexikos.

Zusätzlich zum Gerstenmalz sind Maisflocken zum Einsatz gekommen, eine bei uns verpönte, auf dem amerikanischen Kontinent aber übliche Bierzutat. Sie sorgt auch dafür, dass das Gebräu einen eher leichten Körper und etwas weniger Alkohol haben soll. Vergoren habe ich das Café Lager mit zwei verschiedenen, untergärigen Bierhefen. Nach rund dreimonatiger Lagerung darf es jetzt raus in die Gläser und Tassen dieser Welt.

Das Etikett der weiß verkorkten Mini-Euroflasche ist ebenfalls sehr weiß. Eine Jarocha in traditioneller, weißer Tracht präsentiert stolz und anmutig ihre Kleidung. Auf der Rückseite sind Kaffeebohnen und eine Orange zu sehen.

Das Bier ist dunkelgold bis kupferfarben, fast schon ein bisschen orange. Es ist matt und ausgeglichen trüb, die Kohlensäure zeigt sich sehr lebendig in vielen kleinen Bläschen. Der dunkelweiße Schaum ist äußerst luftig und grobporig, er erinnert eher ein bisschen an Seifenschaum – hält sich dafür aber ganz ordentlich.

Fruchtige Kaffeearomen und etwas schwerere, dunkle Früchte, vielleicht auch Blutorange dringen in die Nase. Nun weiß ich, dass hier keine künstlichen Aromen im Spiel sind. Sonst könnte man fast auf die Idee kommen, denn der Duft ist wirklich sehr intensiv und wirkt beinahe alkoholisch parfümiert.

Der erste Schluck ist so ganz anders, als alles, was man erwartet hätte. Eine kurze Süße wird sofort von herben Hopfentönen überrollt, die in einer trockenen Bittere ausklingen. Das Bier hat einen ziemlich leichten Körper und die prickelnde Kohlensäure kitzelt richtig am Gaumen. Die deutliche Bitterkeit von Orangenschalen sorgt dennoch dafür, dass man das Glas nicht in einem Zug leert.

Die leichte Säure einer Orange, ganz ohne Süße, ist es auch, was diesem Bier einen feinen Kick gibt. Im Vordergrund sind jedoch klar die Aromen des kalt gebrühten Kaffees: Weiche Schokolade, etwas Mandeln, leichte Holzigkeit, ein Klecks Honig und wiederum etwas Zitrus.

Der Abgang ist etwas kantig, hat was von einem sprudelnden Wasserfall mit herben Zitrusaromen. Der Nachgeschmack ist ganz klar Kaffee, leichte Schokoladennoten und viel trockene Herbe sind ebenfalls dabei. Und die bleibt richtig lange auf der Zunge. In der Tat könnte ich mir zu diesem 3,8 Prozent leichten Bier ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte sehr gut vorstellen.

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