Kunstpause

21:07 Uhr – Ich muss sofort an das Nivermind-Album von Nirvana denken. Obwohl das Design der Bierdose mit dem Cover des Albums eigentlich nur gemeinsam hat, dass ein Mensch in blauem Wasser taucht. Beim Artbreak. Double New England IPA vom Atelier der Braukünste taucht aber kein nacktes Kleinkind einem Dollarschein hinterher. Eine junge Frau mit langen, rotblonden Haaren und im schneeweißen Kleid, es könnte sogar ein Hochzeitskleid sein, treibt mit weit ausgebreiteten Armen durchs Wasser. Ihre Haut im Gesicht, an Händen und Füßen ist sehr, sehr blass, dazu stehen die dunkel geschminkten Lippen und Augenbrauen sowie die dunkel lackierten Zehennägel in starkem Kontrast. Beinahe mag man meinen, dass es sich bei der Dame um eine Wasserleiche handelt. Der Gesichtsausdruck ist sehr zufrieden und entspannt, auch die Körperhaltung erinnert an ein leichtes Schweben. Über der linken Hand ist ein weißes Etwas, was ich nicht genau erkennen kann. Vielleicht sind es nur Luftblasen, die aufsteigen. Ich meine aber auch die Form eines kleinen Vogels zu erkennen. Ganz schön schön.

Völlig blickdicht und dunkelgold ist dieses Neipa. Die zuerst üppige, sehr grobporig-luftige Schaumschicht verflüchtigt sich recht flott. Sie gibt einen sehr süßen, fruchtigen Duft frei. Süße Beeren, reifer Rhabarber, Obsttorte, schwarze Johannisbeere, Maracuja – Manege frei für jede Menge Obst. Speziell ist, dass hier keine nennenswerten Zitrusdüfte vorhanden sind.

Der Antrunk kommt nach all der Süße in der Nase recht rau und herb um die Ecke. Die 8,4 Prozent schlagen nicht voll durch, aber der Bier kann den hohen Alkoholgehalt nicht ganz verbergen. Die Fruchtigkeit bewegt sich nun in die bekannte Mango-Maracuja-Richtung, durch die starke Herbe kommen automatisch auch Grapefruitnoten an den Gaumen.

Nach und nach gewöhnt man sich an die herbe des trüben Bieres und schmeckt dann Früchte wie Kiwi, Orange oder Stachelbeere. Der Abgang ist vollmundig herb, leicht alkoholisch und hopfenwürzig. Für meinen Geschmack hätte dieses Bier mit ein bisschen weniger Alkohol viel besser funktioniert.

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