Sprung in der Fliese

20:18 Uhr – Eine ganze Weile lang habe ich auf der Dose ein Mischwesen zwischen kleinem Singvogel und Garnele gesehen, denn das würde eigentlich ganz gut zum Namen des New England IPAs vom Atelier der Braukünste aus Romrod passen: Urban Camouflage. Je länger ich hinsehe, kann ich aber eine kaputte weiße Fliese sehen, die Beschädigung hat ungefähr die Form eines Vögelchens (zufällig das Wappentier der Brauerei), dazu ein Dübel als Auge an der richtigen Stelle und Schwanzfeder und Füße mit schwarzem Stift dazu gemalt. Wenn man sich so lange mit dem Motiv auf einer Bierdose beschäftigen kann, ist es auf jeden Fall gelungen.

Dunkelgelb, fast schon orange liegt das extrem trübe Bier unter einer festen Schaumschicht. Der aufdringliche Geruch schlägt einem schon aus der Ferne entgegen. Würzige, helle Stachelbeeren, saftige Maracuja, dazu ein bisschen Ananas mit Kokosnuss. Wow.

Der cremige Antrunk macht eine weitere Beschreibung wirklich kompliziert, weil irgendwie von alle etwas dabei ist: Das Malz bringt eine leicht zuckrige Süße und einen festen Körper (7,1%) mit leichten Getreidearomen. Der Hopfen sorgt für eine spürbare Herbe, die aber in keinem Moment zu bitter ist. Die saftigen Fruchtaromen verändern sich etwas, ich bin nun eher bei Pflaume und vor allem auch bei wenig sauren Zitrusaromen wie zum Beispiel Orange oder Mandarine.

Im Abgang zeigt sich kurz ein Streifzug durch den aromatischen Kräutergarten, bevor eine milde Zitrusherbe übernimmt. Im Nachgeschmack sind dann endlich meine zuerst erkannten Stachelbeeren wieder da, gemeinsam mit einer trockenen Herbe, die die Speichelproduktion vorbildlich anregt.

Im Kleingedruckten auf der Dose ist auch zu lesen, dass dieses Motiv tatsächlich so auf einer Bar-Toilette in Köln zu sehen war und sich daraus der kleine Vogel entwickelt hat, der jetzt irgendwo auf jeder Dose vom Atelier der Braukünste auftaucht. Wenn das so stimmt, ist es eine coole Geschichte.

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