Ein Tag in Norwegen

20:50 Uhr – Nachdem ich inzwischen zwei eigene Sorten mit Kveik-Hefe gebraut habe (Urlaub daheim und El Dorado) werde ich heute auch mein zweites mit Kveik gebrautes Bier einer richtigen Brauerei probieren. Wobei das DØGN* Kveik NEIPA genau genommen sogar aus zwei Brauereien kommt: Es handelt sich um einen Gemeinschaftssud von Hoppebräu und Yankee & Kraut. Døgn ist Norwegisch, das Wort stammt also aus dem gleichen Land wie die Hefe. Was es exakt bedeutet, kann ich nicht genau sagen, es scheint sich um um einen bestimmten Tag zu handeln, an dem sich in den subpolaren Regionen 24 Stunden lang am Dämmerlicht nichts ändert. Oder so ähnlich.

Das Design der schwarzen Dose ist relativ irre, ich versuche mal, es von links nach rechts zu beschreiben: Es fängt an einem heißen Sommertag an, die Sonne steht im blauen Himmel, nur vereinzelte Wolken sorgen für Schatten. Vor trockenen, gelben Bergen sonnt sich eine Landschildkröte auf einem Stein. Die Steine gehen in eine Wüstenlandschaft über, die unter einem roten Himmel liegt und von Hitze gezeichnet ist. Aus dem Sand wachsen bunte Pilze, deren Farben sehr an den Missbrauch von bewusstseinserweiternden Drogen erinnern, und menschliche Finger. Die reifen Pilze werden zu bunten Flugobjekten, die wie Quallen aussehen. Zudem tuen sich bunt gestreifte, linienförmige Gebilde am Horizont auf, vorne liegt ein bunter Stein, der auch der Panzer einer eingezogenen Schildkröte sein könnte. Ganz rechts wird es Nacht, der Himmel ist in der Dämmerung lila, die verdunkelte Sonne beleuchtet die Szenerie schwach, neben ihr ist ein gelber Halbmond zu sehen. Durch gelbe Wolken oder Nebenschwaden stechen riesige Hörnchen, vielleicht Glühwürmchen oder Bakterien (Hefen?). Unten erheben sich langsam wieder die Berge auf, über denen die heiße Sonne steht. Was haben wir nun hier? Den Ablauf eines Døgn nahe des Polarkreises? Unwahrscheinlich, wegen der Schildkröte und der Hitze. Aber ein Tages- und Zeitenverlauf scheint mir möglich zu sein. Sieht schön aus, es gibt viel zu entdecken und es bleibt doch ein Rätsel. Toll!

Das NEIPA ist absolut gleichmäßig trüb in einem matten Goldgelb mit hang ins Orangene. Die üppige Schaumkrone ist grobporig und sehr weiß. Der Hopfengeruch ist der Wahnsinn: Herbe, grasige Töne vermischt mit einer Wucht von Maracuja, Limette, Mango und Heidelbeeren. Gigantisch.

Der erste Schluck ist kantig und prickelt sehr auf der Zunge, welche sich aufgrund der starken Herbe kurz zusammenzieht. Eine waldige Grasigkeit von Kiefern fällt auf, dazu Maracuja, etwas Zitrus sowie Orange und auch etwas Beeren. Die 7 Prozent Alkohol betten sich in einen festen, leicht getreidigen Körper. Der Geschmack von Johannisbeeren und Grapefruit bringt etwas Fruchtsäure in dieses Bier der bayerischen Craft-Brauer.

Diese Säure verstärkt sich im Abgang noch, wo sie mit den herben Hopfentönen am Gaumen reibt. Geschmacklich kommen hier noch ein paar helle Trauben und ein Stück Melone dazu. Der Nachgeschmack ist trocken und hat einen Hauch von Orangenschalen und Tannennadeln.

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