Reeperbahncocktail

20:48 Uhr – Ein Weizen IPA ist ja auch irgendwie der nette Versuch, Weizentrinker an neuartige Biersorten, um nicht Craftbeer zu sagen, hinzuführen. Und ein ziemlich cleverer, wie ich finde, denn die ohnehin schon vorhandene Fruchtigkeit eines Weizens, meist Banane, kann durch ordentlich Hopfengabe intensiviert und in ganz andere Richtungen gelenkt werden. Das Weizen IPA, ehemals Citrilla, von Maisel ist ein schönes Beispiel, sowieso mein El Dorado, aber natürlich auch in etwas gedämpfterer Weise die Hopfenweisse von Schneider.

Auch die Nordlichter von Überquell aus Hamburg-St. Pauli haben ein Weizen IPA namens World White IPA im Angebot. Die Flasche ist im typischen Brauereilook gehalten, großes weißes Ü auf rot-schwarzem Grund. Mit 6,5 Prozent Alkohol kein ganz leichter Vertreter, die Hopfenmischung aus Simcoe, Sorachi Ace und Topaz verspricht ein fruchtiges Aroma. Ich bin gespannt.

Dunkelgold und absolut trüb steht das World White IPA im kleinen Weizenglas, bedeckt von einer atemberaubenden, weißen Schaumkrone. Jeder urbayerische Hefeweizen würde vor Neid zum Kristallweizen erblassen. Der Geruch ist fruchtig, geht aber nicht zu sehr in die Zitrus-Richtung. Eher rieche ich helle Trauben, Stachelbeeren, sehr reife Banane, sogar ein bisschen Kokosnuss und Ananas. Tatsächlich kommt mir gerade ein Piña Colada in den Sinn.

Der Antrunk ist voll und etwas rau, im Mund fühlt sich das Bier dann aber doch weich, beinahe leicht ölig an. Der Malzkörper erinnert an getoastetes Brot, spielt aber keine besonders große Rolle. Dominant ist klar der würzige Hopfen. Mit einer leichten Säure kommen am ehesten wieder die Trauben und Beeren ins Spiel, auch ein Hauch von Joghurt und Kokos. Erst langsam trauen sich die vertrauten IPA-Aromen wie Orange und Mango ganz dezent auch heraus.

Der Abgang ist eine Mischung aus kantiger, säuerlicher Herbe und einem süßen Aufbäumen mit Kokosgeschmack. Im Nachgeschmack hat man den Eindruck, einen milden Fruchtjoghurt gelöffelt zu haben. Tolles Bier!

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