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Schwarzwälder Kirsch

20:53 Uhr – Selva Negra ist Spanisch und heißt Schwarzwald. Ein komischer Name für ein Bier aus der Brauerei Oso Brew aus Madrid (Oso ist Spanisch und heißt Bär, den gibt es – glaube ich – weder im Schwarzwald noch in Madrid). Man muss also wissen, dass das hier mehr ein Nachtisch denn ein Bier ist. Ein Imperial Pastry Stout. Schwarzwälder Kirschtorte in der Dose. 11 Prozent schwer, gebraut mit Kirschen, Kakao und Vanille.

Schon beim Bewundern der Dose möchte ich nachbestellen, ohne dass ich überhaupt probiert hätte. In der oberen Hälfte ist die Dose matt schwarz, in weißer Schrift steht dort der Name dies Bieres. Darunter liegt eine Tafel sehr dunkler Schokolade, teils zerbrochen, auf weißem Papier. Daneben steht auf dem blauen Tisch eine Schale voller sehr dunkler Kirschen.

Tiefschwarz und leicht zähflüssig läuft das spanische Bier wie Öl ins Glas. Darauf legt sich eine braune Schicht aus feinem Schaum. Obwohl das Stout absolut lichtundurchlässig ist, erkennt man feine Kohlensäure, sobald man das Glas etwas bewegt.

Der Schaum zieht sich bald zurück und gibt einen Duft nach dunkler Schokolade und sehr reifen, dunklen Beeren oder Kirschen frei. Ja, es ist immer etwas einfacher, etwas zu erkennen, wenn man danach sucht. Dass man hier mit geschlossenen Augen einen in Kirschwasser getränkten, schokoladigen Kuchenteig findet, ist aber nicht sehr weit hergeholt. Die dunklen Fruchtaromen der Kirsche zaubern den Hauch von einem schweren Rotwein in die Nase. Die Röstaromen wirken trocken, eine leichte Staubigkeit erinnert an Puderzucker.

Sehr dick fließt das Selva Negra in den Mund, einen Moment scheint es gar keinen Geschmack zu haben. Das mag aber an der kurzzeitigen Überforderung der Geschmacksknospen liegen. Zunächst fällt im pechschwarzen Bier dann interessanterweise die Vanille auf – in Form von frischer Buttercreme. Langsam wird sie von dunklen Kakaobohnen eingefangen, die nicht besonders bitter, aber sehr schokoladig sind.

Der alkoholische Geschmack ist nicht penetrant, aber doch klar vorhanden. Er sorgt dafür, dass die Kirschen nicht als saftige Früchte wahrgenommen werden, sondern eher als ein Hauch von Kirschwasser oder ein Tropfen fruchtiger Rotwein.

In der Kombination aus allem erhält die trockene, dunkle Schokolade durch die Vanille eine weiche Cremigkeit und wird von der alkoholischen Kirsche um eine fruchtige, aufregende Komponente ergänzt. Die Spanier haben die Schwarzwälder Kirschtorte gut getroffen.

Zugegebenermaßen – bei allem Lob: Die 0,44 Liter-Dose hätte man gut unter vier oder fünf Bierfreunden aufteilen können. Ich bin nach einem knappen Viertel schon an einem Punkt, an dem es eigentlich reichen würde. Natürlich trinkt man ein Bier dieser Klasse trotzdem leer.

Im Abgang zeigt sich in der dicken, süßlichen Flüssigkeit eine leichte Röstherbe, die an Schoko-Mokka und Süßholz erinnert. Erstaunlich ist natürlich, dass das Bier sich in der Konsistenz beim Schlucken anfühlt wie geschmolzene Schokolade. Im Nachgeschmack wird die trockene Röstherbe noch etwas deutlicher. Auf der Zunge macht sich eine cremige Schokonote breit, im Rachen zeigt sich nach wenigen Sekunden klar der Alkohol.

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