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Muttis Heidelbeertorte

22:15 Uhr – Das Abendessen liegt zwar schon ein paar Stunden zurück, aber Nachtisch geht ja bekanntlich immer. Und mein heutiges Betthupferl scheint wirklich ein richtiger Nachtisch zu sein, zumindest heißt das Bier schonmal so: Barrel aged Dessert in a Can – also fassgereifter Nachtisch aus der Dose. Und zwar mit der Geschmacksrichtung Mamma’s Blueberry Pie. Ich freue mich auf den Heidelbeerkuchen der norwegischen Amundsen Brygger aus Oslo.

Die kleine Dose ist in Holzfassoptik gehalten, oben aus dem Fass läuft eine braune Flüssigkeit über. Vielleicht Schokolade, vielleicht auch dieses Bier. Vorne ist ein lila schimmerndes, großes Metallschild mit dem Namen des Bieres zu sehen.

Ebenholzfarben läuft das skandinavische Bier etwas zähflüssig ins Glas, für kurze Zeit bildet sich eine schmale, hellbraune und cremige Schaumschicht. Im Licht schimmert die absolut trübe Flüssigkeit leicht violett.

Der Duft ist schon beim Einschenken sehr intensiv, beim direkten Riechen wird er extrem. Während man Schokolade und Beere ja irgendwie erwartet, spielen die beiden eher eine untergeordnete Rolle. Mit voller Wucht schlagen Vanille, Zimt, Zuckersirup und sehr, sehr süßer kalter Kaffee aus. Auch typische, schwere Aromen der Fasslagerung kommen durch, die an Whisky erinnern. Der Geruch ist auf jeden Fall der absolute Wahnsinn. Dürfte man nur riechen und nicht trinken, wäre das auch in Ordnung.

Und beim ersten Schluck geht es völlig irre weiter: Es schießen schon bei einem kleinen Nipper so viele Aromaraketen durch den Mund, dass es schwer fällt, das alles zu ordnen. Ich versuche es der Reihe nach – und mit einem zweiten Schluck.

Dunkle, süße Trauben und Rosinen sorgen für einen fruchtig-süßen Einstieg. Das Bier ist so süß, dass es mich auch sofort an Traubenzucker und Sirup erinnert. Auch recht flüssiger Heidelbeersaft ist zu erkennen. Zudem fällt auf, dass die Zungenspitze erst kitzelt und dann leicht taub wird. Kein Wunder – der Doseninhalt hat 11,5 Prozent Alkohol.

Das Mundgefühl ist sehr voll und weich, trotz der scheinbaren Dickflüssigkeit sorgt eine feine Kohlensäure für einen fluffigen Eindruck. Schon auf der Zunge wirkt der Alkohol wärmend. Das setzt sich auch im Bauch fort, aber ohne jede Schärfe.

Nach und nach zeigen sich die typischen Nachtisch-Komponenten wie dunkle Schokolade und Vanille. Im Abgang kommt etwas Herbe hinzu, vor allem von leicht bitteren Röstaromen. So erinnert das Pastry Stout sehr an dunkle Schokolade und extrem gesüßten Kaffee. Auch ein Hauch von Rotwein und Whisky weht im letzten Moment herbei. Der Nachgeschmack ist immer noch süß und schokoladig, auch die Beeren bekommen nochmal einen letzten, feuchten Auftritt. Dann wird es trocken und etwas herber, Kakaopulver und holziger Alkohol kleben am Gaumen. Ein kulinarisches Erlebnis!

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